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Januar 2012

Auf dieser Seite finden Sie nach einer Auflistung der besprochenen Titel sämtliche Rezensionen. Nach der letzten Buchbesprechung haben Sie die Möglichkeit, die hier vorgestellten Bücher per E-Mail zu bestellen.

Sachbücher:
Bianchi, E.: Am Herzen Gottes
Brühl, C.: Von hundert auf glücklich
Rifkin, J.: Die dritte industrielle Revolution
Wickert, U.: Redet Geld, schweigt die Welt
Abdel-Samad, H.: Krieg oder Frieden
Adler, S.: Russisches Roulette
Christ, S.: Das Knurren der Panzer im Frühling
Gorokhova, E.: Goodbye Leningrad

Schöne Literatur:
Caspari, S.: Im Land des Korallenbaums
Faber, D.: Toter geht's nicht
Grenville, K.: Der Sternenleser
Haynes, E.: Wohin du auch fliehst
Hill, T.: Verborgen
Hjorth, M.: Der Mann, der kein Mörder war
Kennel, O.: Was Ida sagt
Kincaid, G.: Ein Hund im Winter
Klönne, G.: Nichts als Erlösung
Lark, S.: Die Insel der tausend Quellen
Moore, L.: Und wieder Februar
Ritzel, U.: Schlangenkopf
Serno, W.: Das Lied der Klagefrau
Theurillat, M.: Rütlischwur
Vlugt, S.: Am helllichten Tag

Kinder- und Jugendliteratur:
Kinney, J.: Gregs Tagebuch - 6. Keine Panik!


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569915

Bianchi, Enzo:
Am Herzen Gottes : eine kleine Ermutigung zum Beten / Enzo Bianchi. - Freiburg [u.a.] : Herder, 2011. - 126 S. ; 21 cm – Aus dem Ital. übers.
ISBN 978-3-451-32447-5 fest geb. : 14,95

Erhellende Gedanken über den Sinn des Betens und seine richtige Ausübung.
(Re 3.551)

Bereits die ersten Jünger baten Jesus: "Herr, lehre uns beten!" (Lk 11,1). Heutzutage gelangt man aber oft gar nicht mehr bis zu dieser Schwierigkeit, wie man in rechter Weise beten solle, da man schon an der Frage hängenbleibt, warum man denn überhaupt beten solle. Der italienische Theologe und Ordensmann Enzo Bianchi greift in seinem Buch "Am Herzen Gottes" diese beiden grundsätzlichen Fragen ("Warum beten, wie beten?" - so der Titel der italienischen Originalausgabe) auf, ergänzt sie aber um eine dritte Frage, die er vorab behandelt: Was ist Beten? Dem in seiner Heimat äußerst populären Autor ist es wichtig zu zeigen, was das Beten im tiefsten Sinne ist und sein soll. Denn nur von diesem Wissen her kann man verstehen, wie und warum zu beten ist. Für Enzo Bianchi ist das Beten zuallererst keine Initiative des Menschen, keine Suche nach Gott, sondern vielmehr Antwort des Menschen, der von Gott immer schon angesprochen ist. Im Gebet eine Antwort geben zu können, setzt aber das Hören auf Gottes Wort voraus, so dass das Zuhören eine ganz wesentliche Komponente des Betens ist. Im Gebet öffnet sich der Mensch für die Gemeinschaft mit Gott, und wer den Blick lange genug auf Gottes Liebe richtet, dem wird es schließlich möglich sein, die gesamte Wirklichkeit mit seinen Augen, mit großer Barmherzigkeit und Liebe zu sehen. Tatsächlich bedeute es zwar ein nicht geringes Opfer, wenn der Mensch einen Teil seiner Zeit alleine Gott darbringe, hält Bianchi fest; doch sei gerade das ein Zeichen des Vertrauens darauf, dass die Zeit in der Gemeinschaft mit Gott nie verloren ist, sondern im Gegenteil bereits ein Vorgriff auf das ewige Leben. So ist das Beten für den gläubigen Christen letztlich nicht eine zu absolvierende Pflicht, sondern der tiefste Ausdruck seiner Sehnsucht nach der Liebe Gottes und damit absolut unverzichtbar. (Religiöses Buch des Monats Januar 2012)
Thomas Steinherr

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349901

Brühl, Christine von:
Von hundert auf glücklich : wie ich die Langsamkeit wiederentdeckte / Christine von Brühl. - 1. Aufl. - Berlin : Rütten & Loening, 2011. - 223 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-352-00822-1 fest geb. : 16,99

Bericht über einen Selbstversuch, die Langsamkeit in unserer schnellebigen Zeit wieder zu entdecken.
(Fa 1.31)

Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss oder auch schnell geht, die Autos werden immer schneller, Internetfirmen werben mit immer schnelleren Verbindungen und Fast Food hat als schnelles Essen in viele Küchen Einzug gehalten. Wo soll das hinführen, könnte man sich fragen. Die Autorin dieses unterhaltsamen Buches hat versucht, sich der Geschwindigkeit, die ihren Alltag bestimmt hat, zu widersetzen. Sie beschreibt anschaulich, was es bedeutet, sich langsamer zu bewegen, langsamer zu essen, zu kommunizieren, zu arbeiten - trotz einiger Zweifel auf dem Weg gelingt es ihr, die Zeit zu überwinden und aus der Langsamkeit mehr Lebensqualität zu gewinnen. Ein eindrucksvolles Buch, das sich gut lesen lässt und das einige Anregungen enthält, das eigene Leben gelegentlich zu überdenken, und sei es nur in kleinen Dingen. Breite Empfehlung!
Birgit Ebbert

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570626

Rifkin, Jeremy:
Die dritte industrielle Revolution : die Zukunft der Wirtschaft nach dem Atomzeitalter / Jeremy Rifkin. - Frankfurt/Main [u.a.] : Campus, 2011. - 303 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-593-39452-7 fest geb. : 24,99

Wege aus der wirtschaftlichen Sackgasse des Öls durch einen Wechsel des Wirtschaftsparadigmas.
(So 4.5)

Bis in Details beschreibt Jeremy Rifkin in seinem Buch die verheerenden ökologischen Konsequenzen der bisherigen Energiepolitik. Er zählt dem Leser die Fakten auf, um die Dringlichkeit des Problems ins Bewusstsein zu rufen. Rifkin wäre nicht Rifkin, würde er nicht danach zum großen Zukunftsentwurf ausholen. Dies bedeutet einen kompletten Systemwechsel für die Bereiche Energieerzeugung, Städteplanung, Bildungspolitik und Wirtschaftswissenschaft. Fatal ist für ihn dabei die Abhängigkeit unserer Wirtschaftsweise vom Öl. Der US-amerikanische Vordenker plädiert in seinem Buch für eine Verbindung von modernster Telekommunikation mit erneuerbaren Energien. Dabei gibt es für ihn fünf Säulen dieser Revolution (S. 49): der Umstieg auf erneuerbare Energien, die weltweite Änderung des Baubestandes in kleine Mikrokraftwerke, der Einsatz von Wasserstoff- und anderen Energiespeichern, die Nutzung der Internettechnologie, um das Stromnetz global in ein Energy-Sharing-Netz (Intergrid) umzubauen und Überschüsse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, sowie die Umstellung der Transportflotten auf Steckdosen- und Brennstoffzellenfahrzeuge. Europa sieht er als einen der Vorreiter weltweit. Die Zukunft (könnte) heute beginnen. Wer wissen will wie, muss Rifkins Buch gelesen haben.
Karsten Steil-Wilke

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351622

Wickert, Ulrich:
Redet Geld, schweigt die Welt : was uns Werte wert sein müssen / Ulrich Wickert. - 1. Aufl. - Hamburg : Hoffmann und Campe, 2011. - 205 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-455-50224-4 fest geb. : 19,99

Ein informativer und konkreter Beitrag zur Wertedebatte.
(So 1)

An vielen, teils auch bekannten Beispielen zeigt der bekannte Autor, wie Banken, Firmen, Einzelpersonen und selbst staatliche Stellen in ihrem wirtschaftlichen Handeln , getrieben von der Sucht nach mehr Gewinn, ethische Grundsätze außer Acht lassen. Den Negativmerkmalen wie Korruption, Größenwahn, Spielkasinomentalität, Bestechung, Habgier setzt er mit Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinsinn und Verantwortung einen Kodex von Werten gegenüber, der das Leben bestimmen soll. Er fordert u.a. Regeln für die Finanzmärkte, die verbindliche Einführung des Faches "Wirtschaftsethik" im Ökonomiestudium und die Rückkehr zum "Ehrbaren Kaufmann". Es sind Denkanstöße, deren Umsetzung als gesellschaftliche Leitlinien auch das persönliche Verhalten betreffen. - Breit einsetzbar.
Helmut Eggl

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350637

Abdel-Samad, Hamed:
Krieg oder Frieden : die arabische Revolution und die Zukunft des Westens / Hamed Abdel-Samad. - 1. [Aufl.]. - München : Droemer, 2011. - 236 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-426-27558-0 kt. : 18,00

Ein aufschlussreicher aktueller Blick hinter die Kulissen des arabischen Frühlings.
(Ge 3.21 <- Ge 3.11)

Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler, der die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz hautnah miterlebte, schildert nicht nur seine Erlebnisse und Erfahrungen in den entscheidenden Tagen, sondern analysiert auch die Ursachen der arabischen Aufstände. Gründe dafür sieht er u a. in der raschen Informationsvermittlung durch das Internet und in den einflussreichen überregionalen Medien Al-Dschasira und Al-Arabiya. Informative und für westliche Leser aufschlussreiche Einblicke gewährt er auch in die Rolle der Muslimbruderschaft und in die Situation der Frauen und der orientalischen Christen. Das Buch macht zwar Hoffnung, wie weit aber die junge Revolution sich demokratischen Verhältnissen zuwendet und der Unterdrückung, der Korruption und dem religiösen Fundamentalismus die Stirn bietet, wird erst die Zukunft entscheiden. Für Büchereien, die ihre Leser/innen möglichst aktuell informieren möchten.
Helmut Eggl

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569589

Adler, Sabine:
Russisches Roulette : ein Land riskiert seine Zukunft / Sabine Adler. - 1. Aufl. - Berlin : Aufbau, 2011. - 361, [16] S. : Ill. ; 22 cm
ISBN 978-3-351-02735-3 fest geb. : 19,99

Informative Einblicke in die aktuellen Probleme Russlands.
(Ge 4.532)

Diese Reportagen bilden einen bunten, breit gefächerten Bilderbogen mit vielen Aspekten zur russischen Geschichte und Gegenwart. In den Gesprächen mit Gorbatschow, mit Wissenschaftlern und Bürgern aus allen Schichten öffnet die langjährige Russlandkorrespondentin des Deutschlandradios den Blick für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes und erzählt u.a. von der entscheidenden Zeit der Auflösung der UdSSR, von Tschernobyl, den ethnischen Konflikten in den Kaukasusrepubliken, von der veralteten Infrastruktur, von Chodorkowski und den Gefängnisbedingungen, von der Situation der Menschenrechtsvertreter und dem geringen demokratischen Bemühen. Das gut lesbare, erzählend erklärende und bisweilen auch analytisch sezierende Buch ist ein eindrucksvoller Beitrag, der mithilft, die Probleme Russlands zu begreifen.
Helmut Eggl

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350671

Christ, Sebastian:
Das Knurren der Panzer im Frühling : ein Kriegsbericht aus Afghanistan / Sebastian Christ. Mit Fotos von Britta Radike. - 1. [Aufl.]. - München : Pattloch, 2011. - 207, [16] S. : Ill. (farb.) ; 21 cm
ISBN 978-3-629-02301-8 kt. : 16,99

Ein Journalist schildert selbst miterlebte Kriegseinsätze in Afghanistan.
(Bi 2 - Christ, Sebastian <- Ge 3.113)

Der Autor, geboren und aufgewachsen in Frankenberg, aus dem die ersten in Afghanistan gefallenen Soldaten stammen, hat mehrfach die deutschen Truppen in Afghanistan besucht und sie als "eingebetteter Journalist" auf den Patrouillen begleitet. In den 30 Kapiteln seines Erfahrungsberichtes, jeweils eingeleitet mit Gedanken und Reminiszenzen aus und über Deutschland, reihen sich Beobachtungen, Erlebnisse und Gespräche mit deutschen Soldaten und Afghanen aneinander, immer wieder verbunden mit den Schrecken des asymmetrischen Krieges. Das Buch bringt zwar nichts wesentlich Neues, weckt aber ein Gespür für die Unwägbarkeiten und drohenden Gefahren dieses Krieges, die immerzu das Leben und den Alltag der Soldaten und Zivilisten bestimmen.
Helmut Eggl

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352018

Gorokhova, Elena:
Goodbye Leningrad : ein Memoir / Elena Gorokhova. - Dt. Erstausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2011. - 416, [8] S. : Ill. ; 21 cm (dtv ; 24882 : dtv-premium) – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-423-24882-2 kt. : 14,90

Autobiografie einer Russin, die einen Amerikaner heiratete und 1979 die Sowjetunion verlassen konnte.
(Bi 2 - Gorokhova, Elena)

Elena Gorokhova, Jahrgang 1955, wuchs in Leningrad auf. Ihre Mutter war Anatomieprofessorin und unter dem Einfluss der Oktoberrevolution und des Zweiten Weltkriegs durchaus überzeugt von der Überlegenheit des kommunistischen Systems, streng und konservativ. Elena hingegen begeistert sich für die englische Sprache und schon in Kindertagen erkennt sie den himmelweiten Unterschied zwischen der offiziellen Sicht auf die Dinge und dem wahren, trostlosen Alltag. Sie leidet an der Heuchelei und passt sich doch oberflächlich an. Ein amerikanischer Austauschstudent bietet ihr 1979 die Heirat an, damit sie die Sowjetunion verlassen kann. Seitdem lebt Elena Gorokhova in den USA. Ihr Rückblick auf ihre Jugendjahre in der Sowjetunion wirkt wie der Blick in eine fremde, längst vergangene Welt, obwohl Glasnost und Perestroijka gerade mal erst gute 20 Jahre her sind. Teilweise absurd und erschreckend wirkt heute die Zeit des Kalten Kriegs, die marxistisch-leninistische Ideologie, die alle Lebensbereiche durchdringt und den Menschen doch nur einen schäbigen Lebensunterhalt bietet. Das Buch entstand in einem Schreibseminar unter der Ägide von Frank McCourt, der mit seinem Rückblick auf seine Jugendjahre ("Die Asche meiner Mutter") literarisch reüssiert hat, und ist dementsprechend gut zu lesen.
Marion Sedelmayer

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351923

Caspari, Sofia:
Im Land des Korallenbaums : Roman / Sofia Caspari. - Orig.-Ausg. - Köln : Bastei-Lübbe, 2011. - 701 S. ; 19 cm (Bastei-Lübbe-Taschenbuch ; 16601)
ISBN 978-3-404-16601-5 kt. : 9,99

Zwei Frauen unterschiedlichen Standes wollen Ende des 19. Jh. mit der Überfahrt nach Amerika zusammen mit ihren Familien ihr Glück finden.
(SL)

Was als großes, etwas beängstigendes Abenteuer für Anna begann, als sie allein auf das große Schiff stieg, das sie nach Amerika bringen sollte, entwickelt sich schon bald zu einer willkommenen Abwechslung: Denn nach ein paar Tagen lernt sie Victoria kennen, die ebenfalls so wie Anna ihrem Ehemann nachreist, den dringliche Geschäfte auf seine Estancia gerufen haben. Doch die Wege der neuen Freundinnen trennen sich schließlich in Amerika, und so hoffnungsvoll ihrer beiden Träume auf dem Schiff noch waren, so jäh werden sie bei ihrer Ankunft zerschmettert: Annas Mann ist lebensbedrohlich erkrankt, sodass sie sich und ihre ganze Familie irgendwie über Wasser halten muss, während sich ihr nichtsnutziger Bruder als Ganove verdingt; Victorias Vorstellung von einer herrschaftlichen Estancia entpuppt sich als Albtraum, nicht zuletzt auf Grund der schrecklichen Schwiegermutter. Doch immerhin führt das Schicksal die beiden Frauen wieder zusammen. Werden sie gemeinsam die Widrigkeiten in ihren Leben bewältigen können? - Einfühlsam und sensibel gewährt Sofia Caspari in ihrem Roman Einblick in zwei unterschiedliche weibliche Charaktere, die zwar aus verschiedenen Ständen stammen, jedoch beide auf ihre Weise sich in einer Männerwelt durchzusetzen lernen. Nicht nur diese Kritik an der Unterdrückung von Frauen findet sich im Roman, ebenso werden Rassismus und Diskriminierung etwa gegenüber den spanischen Arbeitern thematisiert. Die Geschichte selbst bietet wenig aufregend Neues, die sympathisch gezeichneten Protagonistinnen machen das Buch dennoch zu einem leichten Lesevergnügen.
Sonja Schmid

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569566

Faber, Dietrich:
Toter geht's nicht : Bröhmanns erster Fall ; Kriminalroman / Dietrich Faber. - 1. Aufl. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Polaris, 2011. - 287 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-86252-024-4 kt. : 13,95

Humorvoll-ironischer Krimi über einen Kommissar, dessen Leben von einem Tag auf den anderen völlig auf den Kopf gestellt wird.
(SL)

Henning Bröhmann, war bislang mit seinem mittelmäßigen Leben durchaus glücklich. So hatte er als Kriminalkommissar im verschlafenen Vogelsberg bisher nicht viel zu tun und war mit seiner Familie, bestehend aus Frau, zwei Kindern und dem furzenden Hund Berlusconi zufrieden. Doch am Tag des Faschingsumzuges stürzt seine Welt zusammen: Ein Toter wird gefunden und Hennings Frau verlässt nach einem Streit die Familie. Völlig durch den Wind soll Henning nun den Mord aufklären und seinen Vaterpflichten nachkommen. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit den Kindern und Hund im Schlepptau die Mordermittlungen anzugehen. Da wird schnell ein Hauptverdächtiger gefunden - der seltsame Sohn des Opfers, der vor dessen Tod plötzlich wieder Kontakt mit diesem aufnahm. Doch als dieser scheinbar Selbstmord begeht, kommt ein ganz anderer in den Vordergrund: der Schlagersänger Herr Bärt, der seinen größten Erfolgssong anscheinend gar nicht selbst komponiert hat. Aber als Bröhmann samt Familie seine Frau auf ihrer einsamen Berghütte besucht, kommen Wahrheiten ans Licht, an die vorher keiner gedacht hatte... - Fabers Schreibstil erinnert teilweise an Tommy Jaud und bringt einen als Leser oft zum Lachen. Gerade die überforderte Vaterrolle bringt Faber mit viel Sprachwitz rüber. Schade ist etwas, dass durch die viele Ironie die Spannung des gut angelegten Kriminalfalls oft auf der Strecke bleibt. Darum eher für Leser humorvoller Literatur.
Judith Schöpf

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349353

Grenville, Kate:
Der Sternenleser : Roman / Kate Grenville. - 1. Aufl. - München : C. Bertelsmann, 2011. - 318 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-570-10039-4 fest geb. : 19,99

Die Freundschaft zu einem Aborigine-Mädchen bringt einen jungen Leutnant während der ersten britischen Expedition nach Australien in Konflikte.
(SL)

Inspiriert von der Lebensgeschichte des Marineleutnants William Dawes, erzählt dieser historische Roman die bewegte Vita Daniel Rookes, der als junger Mann die erste englische Militärexpedition nach New South Wales begleitet. Rooke ist mehr Wissenschaftler als Soldat. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, hat der hochbegabte Rooke den Weg des Militärs gewählt, weil ihm dies die Möglichkeit eröffnete, sich auf dem Gebiet der Mathematik, der Astronomie, der Sprachen und Literatur umfassend zu bilden. Die Brutalität seiner Vorgesetzten stößt ihn jedoch zutiefst ab. Abseits der englischen Siedlung lebt er in einem kleinen Haus und nimmt seine naturwissenschaftlichen Messungen vor. Eines Tages nähern sich Eingeborene und der feinfühlige Rooke gewinnt ihr Vertrauen. Besonders Tagaran, ein etwa 12-jähriges Mädchen, fühlt sich zu ihm hingezogen. Auch Rooke faszinieren ihre Natürlichkeit und ihr wacher Verstand. Allmählich entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft zwischen den beiden. Tagaran bringt Rooke nach und nach ihre Sprache bei und lernt selbst Englisch. In einer Art Tagebuch zeichnet Rooke nicht nur Vokabeln und Grammatik auf, sondern hält auch die emotionale Seite dieser Begegnungen fest. Dies alles wird jäh bedroht, als einer der Engländer von einem Eingeborenenpfeil tödlich verletzt wird. - Ein manchmal etwas ausschweifend erzählter Roman, für den man eine gewisse Muße mitbringen sollte, der aber durchaus mit Gewinn und Vergnügen zu lesen ist. (Übers.: Karina Of)
Lotte Husung

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569305

Haynes, Elizabeth:
Wohin du auch fliehst : [Psycho-]Thriller / Elizabeth Haynes. - Dt. Erstausg. - München : Diana-Verl., 2012. - 478 S. ; 19 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-453-35585-9 kt. : 8,99

Fesselnder Psychothriller über eine Frau, die von ihrem nach außen hin perfekten Freund geschlagen, erniedrigt und missbraucht wird.
(SL)

Sie hatten ihn alle für den perfekten Mann gehalten. Doch Catherine kostete die Beziehung zu diesem "Traummann" damals beinah ihr Leben, die Lebensfreude und Unbeschwertheit hat sie auf jeden Fall eingebüßt. Nun lebt sie in einer Welt voller Angst, sieht in jeder dunklen Ecke, in jedem blonden Mann Lee, obwohl sie weiß, dass er im Gefängnis sitzt. Noch, denn seine Zeit ist bald abgelaufen, und was, wenn er sie dann sucht? Ausgerechnet jetzt, wo sie wirksam gegen ihre Verzweiflung ankämpft, wo sie sich erstmals einem neuen Freund öffnet. Und tatsächlich, sie spürt, das Lee hinter ihr her ist, dass es kein Zufall war, dass sie ihre ehemalige Freundin Sylvia getroffen hat, die ihr damals nicht glauben wollte, dass es keine Hirngespinste sind, wenn sie plötzlich das Besteck in ihrer Wohnung vertauscht, Bilder verrückt vorfindet. Sie weiß genau, er lauert, die Frage ist nur, wann und wo er zuschlägt... - Fesselnd, ergreifend reißt Elizabeth Haynes den Leser mit in eine Welt der Angst, des Zwangs und der Unsicherheit. Geschickt wechselt sie Tagebucheinträge von der Zeit mit Lee und der späteren Phase ab und steigert damit das Gefühl der unbekannten Bedrohung - ein Gänsehautgarant. (Übers.: Christiane Winkler)
Sonja Schmid

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349351

Hill, Tobias:
Verborgen : Roman / Tobias Hill. - 1. Aufl. - München : C. Bertelsmann, 2011. - 415 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-570-01073-0 fest geb. : 22,99

Ein junger Archäologe gerät in den Sog einer Terrorgruppe.
(SL)

Ben Mercer flieht vor seinen privaten Problemen aus England nach Athen, um Abstand zu seinem bisherigen Leben zu finden. Zufällig trifft er dort auf Dr. Eberhard Sauer, einen Archäologen, den er aus Oxford kennt. Er folgt Sauer nach Sparta, wo dieser an einer Ausgrabung teilnimmt, und gerät in eine Gruppe, die offensichtlich ein Geheimnis hütet. Die Gruppe, die aus ausländischen Grabungshelfern besteht, zieht Ben magisch an. Er ringt um ihre Zuneigung, vor allem um die der jungen Japanerin Natsuko. Als sich herausstellt, dass Sauer und seine Leute in den Bergen eine Geisel versteckt haben, einen ehemaligen Handlanger der Diktatur, gerät Mercer in einen Gewissenskonflikt zwischen Loyalität und Menschlichkeit. - Hill hat einen dramaturgisch außerordentlich spannend komponierten Thriller verfasst, der immer wieder die griechische Geschichte einbezieht. Eine Sprache, die dicht an den Gefühlsregungen der Figuren ist und die farbig gezeichnete griechische Landschaft machen dieses Buch zu einem intensiven Leseerlebnis. (Übers.: Rudolf Hermstein)
Walter Brunhuber

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352164

Hjorth, Michael:
Der Mann, der kein Mörder war : die Fälle des Sebastian Bergman ; Kriminalroman / Hjorth & Rosenfeldt. - 1. Aufl. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Polaris, 2011. - 587 S. ; 21 cm – Aus dem Schwed. übers.
ISBN 978-3-86252-019-0 kt. : 14,95
NE: Rosenfeldt, Hans: Der Mann, der kein Mörder war

Eine verstümmelte Leiche weckt langsam das Interesse des Kriminalpsychologen Sebastian Bergman.
(SL)

Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman verlor durch den Tsunami seine Frau und seine kleine Tochter. Seitdem nimmt er nichts und niemanden mehr ernst und versteckt sich hinter einer kaltherzigen und egoistischen Fassade. Als er sich auch noch um den Nachlass seiner verhassten Mutter kümmern muss, sinkt Bergmans Laune auf den Tiefpunkt. Doch der Hinweis auf seine bisher unbekannte Tochter und ein rätselhafter Mordfall, von dem er zufällig mitbekommt, lassen Sebastian wieder aus seiner Lethargie erwachen. Sein altes Team darf sich glücklich schätzen, denn eine furchtbar verstümmelte Leiche des Jugendlichen Roger und Hinweise, die immer wieder in unterschiedliche Richtungen weisen, machen Sebastians nüchternen Instinkt bald unverzichtbar. Irgendwann wird klar, dass die tadellose Fassade des Elitegymnasiums, auf welchem Roger zwielichtige Geschäfte tätigte, langsam zu bröckeln beginnt. - Das Autorenduo reicht sich bei seinem Erstling gekonnt in die Reihe der anderen großen schwedischen Autoren ein. Sebastian Bergmann ist eine Hauptfigur, über den man als Leser oft den Kopf schüttelt, der einem aber mit der Zeit immer mehr ans Herz wächst. Hoffentlich gibt es bald einen neuen Fall von ihm! (Übers.: Ursel Allenstein)
Judith Schöpf

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569490

Kennel, Odile:
Was Ida sagt : Roman / Odile Kennel. - Orig.-Ausg. - München : Dt. Taschenbuch- Verl., 2011. - 315 S. ; 21 cm (dtv ; 24896 : dtv-premium)
ISBN 978-3-423-24896-9 kt. : 14,90

Louise kehrt nach vielen Jahren in ihre alte Heimat zurück und muss ihre Familiensituationen überdenken.
(SL)

Als Louise mehr beruflich als privat in die Normandie reist, um dort an der Beerdigung ihrer Großtante Adrienne teilzunehmen, lernt sie ihre Großcousine Ida kennen. Louises Mutter Paulette und Ida sind in ihrer Kindheit und Jugend engste Freundinnen gewesen, bis es zum Bruch kam. Als Ida nun ihre Lebenserinnerungen an Louise übergibt, wird dieser klar, warum ihre Mutter ein so verschlossenes und von der Gesellschaft abgegrenztes Leben geführt hat. Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg verliebte sich Paulette in Franz, einen Wehrmachtssoldaten - ein Skandal in Frankreich und für die Familie. Ida verschaffte Paulette ein Alibi für die heimlichen Treffen. - Der Autorin ist es gelungen, den Leser in klarer, unprätentiöser Sprache durch die teilweise komplizierten verwandtschaftlichen Familienverhältnisse zu führen. Der feinsinnige, in sich geschlossenen Familienroman beschäftigt sich mit den Problemen der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs und den damit einhergehenden familiären Konsequenzen der vielen ungestellten Fragen und nie gewollten Antworten. Breit einsetzbar und sehr gern für alle Büchereien empfohlen.
Marie-Luise Mainka

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570692

Kincaid, Greg:
Ein Hund im Winter : Roman / Greg Kincaid. - 1. Aufl. - München : Page & Turner, 2011. - 253 S. ; 21 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-442-20387-1 fest geb. : 12,99

Ein 13-jähriger Junge übernimmt Verantwortung; ein Hund steht ihm dabei treu zur Seite.
(SL)

George McGray wächst mit seinen Eltern, Großeltern und zwei älteren Schwestern wohlbehütet auf einer kleinen Farm in Kansas auf. Als sein Vater plötzlich durch einen schweren Unfall stirbt, droht die Familie auseinanderzubrechen. Die Mutter zieht mit ihren Töchtern in ihre Heimatstadt zu ihren Eltern. George bleibt bei seinen Großeltern. Er wird zwar liebevoll behandelt, doch auch zu schweren Arbeiten im Stall herangezogen. Oft fühlt sich George überfordert. Eines Tages soll er zusätzlich die Pflege des Nachbarhundes übernehmen, da dessen alkoholkranker Besitzer ins Gefängnis muss. Zunächst lehnt George diese neue Aufgabe ab, aber schon sehr bald spürt er die Zuneigung des Hundes und sie werden unzertrennlich. Der Hund hilft George über seine Einsamkeit hinweg und hilft ih , erwachsen zu werden. George übernimmt nicht nur die Verantwortung für das Tier, sondern auch für die alten Großeltern und deren Farm, ja sogar für das ganze Dorf, als dieses eingeschneit ist. So wird aus einem traurigen Jungen ein zuversichtlicher, belastbarer, froher junger Mann. Alle im Dorf und in der Familie akzeptieren und respektieren ihn. - Ein wundervolles Buch, das die Stimmung an dunklen Wintertagen zu heben vermag oder auch zu Tränen rühren kann. Ein tolles Buch für Jung und Alt! (Übers.: Gabriele Zigldrum)
Margrit Diekmann

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351262

Klönne, Gisa:
Nichts als Erlösung : Kriminalroman / Gisa Klönne. - Berlin : Ullstein, 2011. - 352 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-550-08777-6 fest geb. : 19,99

Späte Rache eines misshandelten Kindes.
(SL)

Mitten unter den Nachtschwärmern am Kölner Dom wurde ein Mann durch einen Kopfschuss gezielt getötet. Es dauert eine Weile bis Hauptkommissarin Judith Krieger und ihr Kollege Manni Korzilius die Identität des Opfers ermittelt haben. Die führt sie zu einer Familientragödie, die sich vor zwanzig Jahren ereignete und dann noch viel weiter zurück zu einem Kinderheim, das die Eltern des Mordopfers früher geleitet haben. Der Täter scheint mit Judith Krieger zu spielen, er ist ihr unheimlich nah und immer wieder einen Schritt voraus. Auf mysteriöse Weise lässt er ihr Hinweise zukommen. - Gisa Klönne erzählt diesen fünften Fall in der Reihe um Kommissarin Krieger aus wechselnden Perspektiven. Es wechseln sich die Erlebnisse des Schatzsuchers Eric Sievert, Judith Kriegers Traumsequenzen und die beklemmenden Erinnerungen eines gequälten Kindes ab und am Schluss gibt es auch noch eine Dienstreise der Kommissarin auf die griechische Urlaubsinsel Samos. Spannend bis zum Schluss!
Marion Sedelmayer

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356098

Lark, Sarah:
Die Insel der tausend Quellen : Roman / Sarah Lark. - Orig.-Ausg., 1. [Aufl.]. - Köln : Lübbe, 2011. - 699 S. : Ill., Kt. ; 22 cm
ISBN 978-3-7857-2430-9 fest geb. : 16,99

Die junge Engländerin Nora verlässt Anfang des 18. Jh. England, um in der Karibik glücklich zu werden.
(SL)

Unter großen Qualen stirbt Noras erste große Liebe, der verarmte Adelige Simon. Aus Vernunft heiratet sie den verwitweten Zuckerrohrplantagen-Besitzer Elias und folgt ihm in das paradiesische Jamaika, die Insel der tausend Quellen. Bald schon wird ihr klar, dass ihr Mann besondere Vorlieben hat. Seine Bekannten, ebenfalls weiße Siedler, behandeln ihre Sklaven oft sehr grausam, was die menschenfreundliche Nora zutiefst schockiert. Sie versucht, den Schwarzen eine Hilfe zu sein, indem sie ihnen ihre medizinischen Kenntnisse anbietet und sie freundlich behandelt. Elias' erwachsener Sohn Douglas kehrt aus Europa zurück. Er stellt sich hinter seine hinreißende Stiefmutter und das Farmleben wird etwas erträglicher. Eine Katastrophe zerstört Noras bisheriges Leben. Nur die Liebe kann sie noch retten. - Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass das Herz der Autorin der Karibik und ihren Bewohnern gehört. Eine ihrer großen Stärken ist es, Gefühle, Stimmungen und Landschaften so authentisch zu beschreiben, dass die Leserin glaubt, sie wäre mitten im Geschehen. Dazu kommt, dass über hunderte (!) von Seiten Spannung immer wieder neu entsteht und man selbst am Nachwort noch seine große Freude hat. Ein wundervoller Frauenroman im historischen Gewand.
Martina Mattes

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569333

Moore, Lisa:
Und wieder Februar : Roman / Lisa Moore. - 1. [Aufl.]. - München [u.a.] : Hanser, 2011. - 335 S. ; 21 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-446-23751-3 fest geb. : 19,90

Werden, der man sein muss: Lisa Moore erzählt von großer Liebe, tiefer Trauer und dem Moment, durch den sich alles ändert.
(SL)

"Hast du je versucht herauszufinden, wodurch sich das, was du bist, von dem, was du werden musst, unterscheidet?" Diese Frage stellt John seiner Mutter Helen, als er sie anruft und ihr mitteilt, dass er Vater wird - unbeabsichtigt. Ausgerechnet er, der seit dem Tod seines Vaters Angst hat, sich fest zu binden, weil er sieht, wie seine Mutter unter der Liebe zu ihrem Mann leidet, ihn auch 26 Jahre nach seinem Tod noch nicht loslassen kann. Helens Mann starb 1982, als die Bohrinsel, auf der er arbeitete, in einem schweren Sturm kenterte. Helen hat sich in den Jahren, die seit diesem Unglück bis in die erzählte Gegenwart 2008 vergangen sind, ein neues Leben aufgebaut. Vier Kinder hat sie allein groß gezogen, kümmert sich inzwischen um ihre Enkel und schneidert Hochzeitskleider. Manchmal kann sie den Tod ihres Mannes vergessen, doch wenn die Erinnerungen zurückkommen, dann lähmt sie der Schmerz völlig. - Lisa Moore erzählt, wie John und Helen 2008 erkennen, was sie werden müssen - und wie sich dadurch der Griff der Trauer lockert. Die beiden Handlungsstränge um John und Helen hat Moore parallel angeordnet, erzählt allerdings keineswegs chronologisch. Vielmehr bewegen sich ihre Figuren zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Bilder, Gerüche, Erinnerungsstücke und Ereignisse veranlassen John und Helen immer wieder zu gedanklichen Ausflüge in die Vergangenheit. Auch wenn sich die Gedanken die Klinke in die Hand geben und die Erzählung nahtlos die Zeitebenen wechselt, kann der Leser mühelos in den Roman eintauchen - und wird nur mit Bedauern daraus wieder zurückkehren. Das ist vor allem der klaren, poetischen und bildreichen Sprache zu verdanken, mit der Moore diese Geschichte über große Liebe und tiefe Trauer erzählt und davon, dass Menschen manchmal einen Anstoß von außen brauchen, um der zu werden, der sie sein müssen. (Übers.: Kathrin Razum; Borromäus-Roman des Monats Januar)
Christoph Holzapfel

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570678

Ritzel, Ulrich:
Schlangenkopf : Roman / Ulrich Ritzel. - 1. Aufl. - München : btb, 2011. - 446 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-442-75297-3 fest geb. : 19,99

Kommissar Berndorf kommt einem Waffengeschäft während des Jugoslawienkrieges auf die Spur.
(SL)

Berlin. Ein junger Mann wird von einem Geländewagen erfasst und stirbt. Bald stellt sich heraus, dass es kein Unfall, sondern Mord war. Im Auftrag der Familie des Getöteten ermittelt Privatdetektiv Hans Berndorf und stößt auf Zlatan Sirko, den Mann, dem der getötete Murad Aydin zuvor die Lederjacke gestohlen hat. Sirko stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Er ist auf einem Foto als Kriegsgefangener in einem kroatischen Lager zu sehen und verdankt sein Leben wohl dem Bundestagsabgeordneten Fausser. Über Fausser wiederum führt eine Spur bald in die Berliner Politik und zum BND, der ein lukratives Waffengeschäft eingefädelt hat - mit Waffen aus Beständen der NVA. - Ulrich Ritzels Roman ist ein realistisch geschriebener Thriller mit einer einfachen, aber packenden Sprache. Die Zeichnung der Figuren ist präzise und der Plot mit seinen vielfältigen Handlungsfäden geschickt aufbereitet. So kann Gesellschaftskritik auch spannend und unterhaltsam sein. Ritzel wurde 2010 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.
Walter Brunhuber

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349631

Serno, Wolf:
Das Lied der Klagefrau : Roman / Wolf Serno. - 1. [Aufl.]. - München : Droemer, 2011. - 489 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-426-19807-0 fest geb. : 19,99

Der Puppenspieler Klingenthal kann im Göttingen der Aufklärungszeit trotz widriger Umstände ein Medizinstudium absolvieren.
(SL)

Puppenspieler Julius Klingenthal ist in jungen Jahren durch intrigante Machenschaften eines Chirurgen aus dem Medizinstudium gedrängt worden. Seinen Lebenswunsch konsequent verfolgend spart er und strebt er mit 49 Jahren erneut ein Studium an, muss aber seine Identität ändern, um sich als Jude in Göttingen erneut einschreiben zu können. Mit seiner jungen Frau, die als Klagefrau Anteil am Lebensunterhalt hat, führt er ein materiell sehr bescheidenes, arbeits-, aber aussichtsreiches Leben, bis widrige Ereignisse und feindliche Gegenspieler seine Existenz und sein Leben zu zerstören drohen. - Im Göttingen des Jahres 1786 angesiedelt versteht es der Autor, historische Fakten (z.B. Lebensumstände, Personen, Sprachgebrauch) und Fiktion nahtlos und auf unterhaltende Art miteinander zu verbinden, sodass eine authentisch wirkende Atmosphäre entsteht. Auch Spannung und Liebeshändel kommen in dem von Dialogen dominierten Roman nicht zu kurz - Freunden historischer Romane ist somit angenehme Zerstreuung garantiert.
Birgit Karnbach

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568380

Theurillat, Michael:
Rütlischwur : Kriminalroman / Michael Theurillat. - Berlin : Ullstein, 2011. - 381 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-550-08840-7 fest geb. : 21,99

Kriminalkommissar Eschenbach wird in einen sehr undurchsichtigen Fall involviert, in dem Millionenbetrug und ein Mord im Mittelpunkt stehen.
(SL)

Als in seiner Privatbank ein wichtiger Mitarbeiter verschwindet, bittet Jakob Banz seinen alten Freund Eschenbach, Kommissar bei der Züricher Kripo, um Hilfe. Da Eschenbach beruflich gerade eine Auszeit nimmt, steigt er bei der Bank als Jurist ein, um sozusagen undercover die Umstände des Verschwindens von Peter Dubach zu durchleuchten. Es stellt sich heraus, dass Millionenbeträge versickert sind, ohne dass das publik gemacht wurde. Banz wird ermordet, und Eschenbach lernt die junge Judith kennen, die eindeutig eine besondere Rolle spielt in diesem merkwürdigen Fall.- Der Roman beginnt etwas zäh und kann auch im weiteren Verlauf nur zeitweise die Spannung steigern. Die Personen und Situationen sind durchaus überzeugend beschrieben, aber der Handlungsablauf ist insgesamt zu undurchsichtig und einige Verwicklungen sind wenig überzeugend. Insgesamt fehlt ein festes Gefüge, das den Überblick ermöglicht und die Erzählstränge zusammenhält. Aufgrund der sehr erfolgreichen Vorgängerbände um Kommissar Eschenbach (zuletzt: BP/mp 10/407) ist jedoch mit größerer Nachfrage zu rechnen, und darum ist trotz gewisser Schwächen die Anschaffung auch sinnvoll.
Ulrike Braeckevelt

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349606

Vlugt, Simone van der:
Am helllichten Tag : Thriller / Simone van der Vlugt. - München : Diana-Verl., 2011. - 255 S. ; 21 cm – Aus dem Niederländ. übers.
ISBN 978-3-453-29109-6 kt. : 12,99

Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Lebensgefährten kreuzen sich Natalies Wege mit denen der jungen Polizistin Julia.
(SL)

Als die Polizistin Julia Vriens auf dem Friedhof von Roermond Nathalie trifft, spürt sie gleich, dass die völlig verzweifelte Frau in großen Schwierigkeiten steckt. Und in der Tat ist Nathalie mit ihrem Baby auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Lebensgefährten Vincent, aber wohin sie auch geht, er spürt sie auf. Während Julia Nathalie bei ihrer Großmutter einquartiert, ermittelt sie mit ihrem Kollegen Sjoerd Volleberg in einem brutalen Doppelmord, der die Stadt einige Tage zuvor erschüttert hat. Fast zu spät erkennt sie die Zusammenhänge und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. - Der Roman ist kurzweilig geschrieben, mit Charakteren, deren Profil sich erst nach und nach offenbart. Allerdings wirkt der Showdown am Ende doch einen Hauch zu konstruiert. Nicht der beste Roman der Autorin, aber ihre Fans werden ihn lieben. Für alle Bestände geeignet. (Übers.: Eva Schweikart)
Jutta Weber

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355369

Kinney, Jeff:
Gregs Tagebuch - 6. Keine Panik! / Jeff Kinney. - 1. [Aufl.]. - Köln : Baumhaus- Verl., 2011. - 218 S. : zahlr. Ill. ; 21 cm (Gregs Tagebuch / Jeff Kinney ; 6) (Ein Baumhaus-Comic-Roman) – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8339-3637-1 fest geb. : 12,99

Die Wartezeit auf Weihnachten vergeht für Greg wegen zahlreicher Ablenkungen schneller als gedacht.
(K)

"Gregs Tagebuch" hat sich in Windeseile vom Geheimtipp zum Bestseller entwickelt. Nach mittlerweile fünf Bänden (zuletzt: BP/mp 11/699) und inzwischen zahllosen Nachahmerprodukten ist das Grundprinzip der erzählten Geschichte mit vielen Comiceinschüben bestens vertraut und von vielen jungen Leserinnen und (vor allem) Lesern geliebt. Im Band 6 wartet Greg auf Weihnachten, genauer gesagt auf die in Aussicht stehenden Geschenke, doch die Zeit bis dahin wird ihm durch einige aufregende Ereignisse nicht so lang, wie zunächst befürchtet: er spielt ausufernd das Computerspiel "Netz-Kritterz" - jedenfalls so lange, bis sein kleiner Bruder Manni das Passwort ändert -, er deckt einen Skandal mit hoffnungslos überteuerten "Schenklis" auf dem Weihnachtsmarkt auf und überführt seine Mutter, eine gefälschte Signatur auf seinen Lieblingscomic gesetzt zu haben, doch als er Plakate für einen eigenen Weihnachtsmarkt an der Schulmauer aufhängen will und diese dabei verunstaltet, wird er von der Polizei gesucht; da kommt es ihm schließlich sogar ganz gelegen, als sie aufgrund eines Schneesturms tagelang das Haus nicht verlassen können - bis auch noch der Strom ausfällt. - Nach wie vor amüsant zu lesen und für die große Fan-Gemeinde natürlich ein Muss.
Thomas Steinherr

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