Buchprofile online-Express
Ein aktueller Informationsservice von Sankt Michaelsbund und Borromäusverein


Oktober 2011

Auf dieser Seite finden Sie nach einer Auflistung der besprochenen Titel sämtliche Rezensionen. Nach der letzten Buchbesprechung haben Sie die Möglichkeit, die hier vorgestellten Bücher per E-Mail zu bestellen.

Sachbücher:
Kräutler, E.: Kämpfen, glauben, hoffen
Roth, R.: Bürgermacht
Armbruster, J.: Der arabische Frühling
Theveßen, E.: Nine Eleven
Vogel, H.: Wie wollen wir leben?
Gaus, B.: Der unterschätzte Kontinent
Koch, M.: Das Herz-Buch
Roth, J.: Unfair Play
Kreutzberger, S.: Die Essensvernichter

Schöne Literatur:
Arnaldur Indriðason: Abgründe
Boehning, L.: Das Glück der Zikaden
Brandt, J.: Gegen die Welt
Byatt, A.: Das Buch der Kinder
Cussler, C.: Das Gold von Sparta
Doron, L.: Das Schweigen meiner Mutter
Eschbach, A.: Herr aller Dinge
Gablé, R.: Der dunkle Thron
Hacke, A.: Das Beste aus meinem Liebeseben
Kallentoft, M.: Blutrecht
Kaminer, W.: Liebesgrüße aus Deutschland
Lewitscharoff, S.: Blumenberg
Maak, N.: Fahrtenbuch
MacGrath, M.: Im Eis
Melle, T.: Sickster
Muñoz Molina, A.: Die Nacht der Erinnerungen
Picoult, J.: In den Augen der anderen
Piñeiro, C.: Der Riss
Rávic Strubel, A.: Sturz der Tage in die Nacht
Schirach, F.: Der Fall Collini
Smith, T.: Agent 6
Stasiuk, A.: Hinter der Blechwand
Streeruwitz, M.: Die Schmerzmacherin
Toews, M.: Kleiner Vogel, klopfendes Herz
Turney, L.: Die fremde Frau

Kinder- und Jugendliteratur:
Funke, C.: Geisterritter
Maar, P.: Sams im Glück
White, K.: Flames 'n' Roses


Cover

352082

Kräutler, Erwin:
Kämpfen, glauben, hoffen : mein Leben als Bischof am Amazonas / Erwin Kräutler. - 1. Aufl. - Münsterschwarzach : Vier-Türme-Verl., 2011. - 256 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-89680-534-8 fest geb. : 18,90

Anwalt für die indigene Bevölkerung Brasiliens: Vom gewaltlosen Kampf eines kath. Bischofs u. Alternativen Nobelpreisträgers (*1939).
(Re 4.1520 - Kräutler, Erwin <- Er 6.3)

Erwin Kräutler ist Bischof von Xingu im brasilianischen Urwald. 2010 erhielt der gebürtige Österreicher, der dem Orden vom Kostbaren Blut Christi (CPPS) angehört, den Alternativen Nobelpreis für sein Eintreten für die Rechte der indigenen Völker Brasiliens. Die auf Paulus zurückgehenden Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe interpretiert Kräutler als Aufforderung zum gewaltlosen Kampf für die Rechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonasgebiet. In dem vom Befreiungstheologen Paulo Suess herausgegebenen Buch (zuerst Brasilien 2009) finden sich Predigten, Reden u. Textfragmente aus 40 Lebensjahren eines beeindruckenden Gottesmannes, der gerade kirchlich engagierten Gruppen Vorbild sein kann, ein Leben "der kämpferischen Mystik" zu führen. Wer diese Szenen aus dem Amazonasgebiet und die nicht immer leichten theologisch reflektierenden oder die Verhältnisse in Brasilien erläuternden Texte liest, wünscht sich unweigerlich auch in Europa eine ähnlich menschenfreundliche "Kirche im Dienst des Lebens" (S. 19). Für alle, die sich für die Arbeit der Kirche außerhalb Europas interessieren - und offen sind für Impulse.
Stefan Raueiser

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

568859

Roth, Roland:
Bürgermacht : eine Streitschrift für mehr Partizipation / Roland Roth. - Hamburg : Ed. Körber-Stiftung, 2011. - 328 S. ; 20 cm
ISBN 978-3-89684-081-3 kt. : 16,00

Plädoyer für mehr demokratische Beteiligungskultur.
(So 2)

Die Beteiligung der Bürger am politischen Geschehen, außer bei persönlicher Betroffenheit, lässt gegenwärtig zu wünschen übrig. Der Autor benennt mit markigen Worten die Ursachen für dieses Unbehagen an der demokratischen Praxis, kritisiert die Politik, die demokratische Elitenherrschaft und parlamentarische Wagenburg und skizziert die Geschichte der sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik und was sie geleistet haben. Er verlangt eine Intensivierung der Demokratie z.B. durch Bürgerinitiativen, den Ausbau der Bürgermacht bis hin zum Leitbild "Bürgerhaushalt", in dem sich Bürgerinnen und Bürger am kommunalen Haushalt beteiligen. Obwohl auf kommunaler Ebene viele der Forderungen verwirklicht sind, bleibt in dem Wunsch nach einer solidarischen Bürgergesellschaft eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, vor allem, wenn Eigeninteressen oder Ideologien im Spiel sind. - Als aktueller Denkanstoß durchaus breit einsetzbar.
Helmut Eggl

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350216

Armbruster, Jörg:
Der arabische Frühling : als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern / Jörg Armbruster. - Frankfurt/Main : Westend, 2011. - 238 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-938060-44-5 kt. : 16,99

Schilderung und Analyse der aktuellen Aufstandsbewegungen im Nahen Osten.
(Ge 3.11)

Demonstrationen und Gewalt in Tunesien, Ägypten, Jemen, Bahrain, Libyen und Syrien beherrschen die aktuellen Nachrichten. Deren Verlauf und Ursachen schildert aus eigener Erfahrung der Nahostkorrespondent der ARD, Jörg Armbruster. In 21 Kapiteln verdeutlicht er mit Informationen u.a. aus Interviews die Beweggründe der aufbegehrenden Jugend und vermittelt Hintergrundwissen zu Aspekten wie Unterdrückungsmechanismen, Gesellschaftsstruktur, Rolle der modernen Kommunikationsnetze, das Verhältnis von Demokratie und Islam. Kurz werden auch die treibenden Faktoren Bevölkerungsexplosion und Arbeits- und Perspektivlosigkeit der Jugend sowie das Problem Israel angesprochen, allerdings nicht mit der gleichen Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit der Darstellung, die die anderen Themen auszeichnen und die die Stärke dieses Buches sind. Hilfreich ist ein dreieinhalbseitiges Literatur- und Quellenverzeichnis. Zur aktuellen Information gut geeignet.
Bernhard Grabmeyer

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

341943

Theveßen, Elmar:
Nine Eleven : der Tag, der die Welt veränderte / Elmar Theveßen. - Berlin : Propyläen, 2011. - 347 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-549-07381-0 fest geb. : 19,99

Hintergründe und Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001.
(Ge 3.31 <- Ge 2.8)

Kein Terroranschlag hat die Welt so verändert wie der 11. September 2001, als sich Terroristen mit Flugzeugen in die Türme des World Trade Centers und ins Pentagon stürzten. Elmar Theveßen hat die Ereignisse nachgezeichnet und die Folgen der Anschläge aufgearbeitet. Eindrucksvoll analysiert er das außenpolitische Handeln der damaligen US-Regierung unter George W. Bush und geht der Wirkung nach, die die damals getroffenen Entscheidungen auf die islamische Welt und darüber hinaus bis heute haben. Theveßen beschäftigt sich aber auch mit den innenpolitischen Veränderungen, mit denen sich die Bürger der USA konfrontiert sahen, und die teilweise bis heute andauern. Erschreckend deutlich wird dabei, wie schnell selbst ein Land, das seine Identität auf die Idee der Freiheit gründet, diese Freiheit und die damit verbundenen Bürgerrechte mit Füßen tritt, wenn die Angst regiert. Elmar Theveßen ist stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Hauptredaktion Aktuelles beim ZDF. Für alle Bestände geeignet.
Walter Brunhuber

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

351236

Vogel, Hans-Jochen:
Wie wollen wir leben? : was unser Land in Zukunft zusammenhält / Hans-Jochen Vogel ; Sandra Maischberger. - 1. Aufl. - München : Siedler, 2011. - 252 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-88680-991-2 fest geb. : 19,99
NE: Maischberger, Sandra: Wie wollen wir leben?

Gespräch mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Bundespolitiker Hans-Jochen Vogel über sein Politikverständnis und die aktuelle Lage der Gesellschaft.
(Ge 5.63 <- So 1.322)

Die Fernsehjournalistin Sandra Maischberger führte für dieses Buch ausführliche Gespräche mit dem ehemaligen Spitzenpolitiker der SPD Hans-Jochen Vogel in dem bisher so ereignisreichen Jahr 2011. In der deutschen Öffentlichkeit herrscht eine latente Sehnsucht nach Vorbildern in der Politik, was an der Verehrung für Helmut Schmidt zu sehen ist. Der ehemalige Bundespolitiker Vogel fordert Orientierung von den aktiven Entscheidungsträgern in der Politik. Alle wichtigen Themen des Jahrs 2011, wie die Atompolitik, der arabische Frühling und die andauernde Finanzkrise werden eingehend behandelt, wie auch das Zusammenleben von Ausländern und Deutschen, die Demografie und die Kluft zwischen Arm und Reich. Aber auch der Privatmensch Vogel kommt zum Vorschein, der sich ganz bewusst nach dem Krieg als Christ für die Gesellschaft in der Politik engagieren wollte. Leitbild waren für ihn das Grundgesetz und die Bibel. - Ein informatives und kurzweiliges Buch für alle, die sich Politiker wünschen, die einen moralischen Kompass und Mut für die Zukunft machen.
Helmut Lenz

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

354864

Gaus, Bettina:
Der unterschätzte Kontinent : Reise zur Mittelschicht Afrikas / Bettia Gaus. - 1. Aufl. - Frankfurt am Main : Eichborn, 2011. - 252 S. : Kt. ; 22 cm
ISBN 978-3-8218-6517-1 fest geb. : 19,95

Vielseitige Reportagen über ein "anderes" Afrika.
(Er 5)

Afrika - bei vielen von uns weckt dieses Wort Assoziationen wie hungernde Menschen, AIDS, Bürgerkrieg, Elend, Unterentwicklung. Doch es gibt auch das andere Afrika: das der sich langsam entwickelnden selbstbewussten Mittelschicht. Diese wollte die Autorin, seit drei Jahrzehnten Korrespondentin in verschiedenen afrikanischen Ländern und damit intime Kennerin des wahren Lebens im Schwarzen Kontinent, kennenlernen. In 16 Reportagen berichtet sie von Kaufleuten, Lehrern und Angestellten, Handwerkern, Anwälten und Künstlern, vom Senegal über Nigeria und den Kongo bis Sambia, Kenia und Mosambik. Erzählt, wie sie leben und das Leben in ihren Ländern prägen. Und kommt zum Fazit: Nicht die Entwicklungshelfer und die Außenpolitik der westlichen Länder sind es, die das Leben der Menschen in Afrika bestimmen, die Perspektiven geben und in einem Kontinent der Umwälzungen und vielfältigen Probleme Zukunft schaffen. Die Autorin erzählt authentisch, spannend, farbig; und es gelingt ihr, dem Leser das echte Alltagsleben in diesem für uns exotischen Kontinent nahezubringen, das Dokumentationssendungen und Nachrichten in den Medien nur verzerrt wiedergeben. Wer dieses Buch gelesen hat, wird anders denken über Afrika und die Afrikaner. Deshalb ist es so wichtig und für alle Büchereien sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

341968

Koch, Marianne:
Das Herz-Buch / Marianne Koch. - Orig.-Ausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2011. - 238 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.), graph. Darst. ; 23 cm (dtv ; 24870 : dtv-premium)
ISBN 978-3-423-24870-9 kt. : 14,90

Leistungen, Störungen, Beschwerden, Erkrankungen und Gesunderhaltung des menschlichen Herzens.
(Na 9.611)

Dr. Marianne Koch ist zwar keine speziell zur Kardiologin ausgebildete Medizinerin, aber sie hat sich im Laufe langer Praxis-Jahre, begleitet von ständiger Weiterbildung, zur Expertin gemacht. Das zeigt sie, die Tausende von ihrer BR-Sprechstunde am Samstagmittag kennen, in diesem großartigen Buch, das eigentlich alles kompakt bringt, was man über das eigene Pumpwerk wissen muss: um es zu verstehen, zu achten, bei Kräften zu halten und, wenn es erkrankte, wieder zu seinen lebenserhaltenden Funktionen zu führen. Alt und Jung profitieren von den Ausführungen der Spezialistin gleichermaßen. Diese werden durch laienhafte Leser nirgendwo überfordernde Zeichnungen, vor allem aber durch sie aufmunternde und stets auch den kulturgeschichtlichen Kontext herstellende Illustrationen begleitet. Überflüssig zu sagen, aber entscheidend für die Motivation, dieses Buch zu studieren: dass sich der Text durch konzentrierte Diktion, verständliche Aussagen, gut gewählte Referate von aktuell gültigen Studien und eingeschobene Interviews, Gedichte, medizingeschichtliche Aspekte und authentische Erfahrungsberichte auszeichnet. - Ein Muss für alle Bestände.
Hans Gärtner

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

352153

Roth, Jürgen:
Unfair Play : wie korrupte Manager, skurpellose Funktionäre und Zocker den Sport beherrschen / Jürgen Roth. - 1. Aufl. - München : Eichborn, 2011. - 313 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-8218-6508-9 fest geb. : 19,95

Hintergrundinformationen über Wett- und Spielmanipulationen im Spitzensport.
(Sp 1)

Als aufmerksamer Zeitungsleser hat man das Gefühl, dass immer mehr von den Schiebereien, die in Bereich des Sports hinter den Kulissen ablaufen, publik werden. Die Öffentlichkeit, um nur einen der aktuellsten Fälle herauszunehmen, war doch sehr überrascht, als die Entscheidung verkündet wurde, die Fußballweltmeisterschaft 2022 an Katar zu vergeben. Faszinierend, was Jürgen Roth, einer der bekanntesten Enthüllungsjournalisten in Deutschland, dazu an Hintergrundinformationen aufbereitet hat. Sportinteressierte Zeitungsleser erinnern sich sicher, dass 2008 plötzlich das Gerücht auftauchte, der FC Bayern München habe sich das Halbfinalspiel im UEFA-Pokal gegen Zenith Moskau abkaufen lassen und deshalb mit 4:0 verloren. In diesem Buch kann man die Hintergründe verfolgen, die zu diesen haltlosen Vorwürfen geführt haben. Im zweiten Abschnitt "Im Sog des Mammons" zeigt der Autor die zumeist geldbestimmten Fakten auf, die zu den Manipulationen im breiten Feld des Sports geführt haben und noch immer führen. Dabei handelt der weitaus überwiegende Teil vom Fußball, in einem kleineren geht es auch um Olympische Spiele oder den Tennissport. Das Kopfschütteln wird bei den Lesern nicht mehr aufhören, die bis jetzt an die Anständigkeit und die Ehrlichkeit beim Sport geglaubt haben. Ganz extrem wird es im Abschnitt "Die Balkanroute oder Die Zukunft des Sports". Wett- und Spielmanipulationen sind an der Tagesordnung und vermutlich auch durch Strafen nicht mehr in den Griff zu bekommen. - Auch wenn man manchmal fast den Überblick verliert, weil die weitestgehend unbekannten, vielen Namen und Ereignisse beinahe den Handlungszusammenhang überdecken, kann das Buch allen sportinteressierten Lesern empfohlen werden.
Gerd Fleder

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

351632

Kreutzberger, Stefan:
Die Essensvernichter : warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet / Stefan Kreutzberger ; Valentin Thurn. - 1. Aufl. - Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2011. - 319, [16] S. : zahlr. Ill. (überw. farb.), graph. Darst. ; 22 cm
ISBN 978-3-462-04349-5 fest geb. : 16,99
NE: Thurn, Valentin: Die Essensvernichter

Grundlegendes Buch über den Skandal der Nahrungsmittelverschwendung in den Industrieländern.
(Pr 1.31 <- So 3.521)

Der Dokumentarfilm von Valentin Thurn über die weltweite gigantische Lebensmittelverschwendung lief zuerst im Oktober 2010 am Spätabend in der ARD. Die Resonanz auf das brisante Thema war so groß, dass der Film "Taste the waste" inzwischen sogar in Kinos läuft. Dieses Buch bietet einerseits Material zum Film, arbeitet aber das Thema ganz grundlegend auf, mit einem dicken Informationspaket. Weltweit rechnet man, dass ungefähr ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion im Abfall landet, in den Industrieländern ist es vermutlich sogar die Hälfte. Die Gründe liegen in den Produktionsbedingungen und unseren Konsumgewohnheiten. Der Wunsch, jederzeit jedes Produkt überall verfügbar zu haben, führt direkt zur Verschwendung von Ressourcen. Angesichts weltweit hungernder Menschen ist der mangelnde Respekt vor Lebensmitteln eine ethische Katastrophe. Jeder Einzelne kann handeln, indem er regionale Produkte bevorzugt, saisonal einkauft, selbst kocht, anstatt industrielle Fertigprodukte zu konsumieren. Deshalb unterstützt auch die Genießerbewegung "Slow Food" die Kampagne gegen die Verschwendung. - Ein aufrüttelndes Buch, das Pflichtlektüre für jeden Verbraucher sein sollte!
Marion Sedelmayer

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349543

Arnaldur Indriðason:
Abgründe : Island Krimi / Arnaldur Indriðason. - 1. [Aufl.]. - Köln : Lübbe, 2011. - 428 S. : Kt. ; 21 cm (Lübbe Hardcover) – Aus dem Isländ. übers.
ISBN 978-3-7857-2419-4 fest geb. : 19,99

Sein neuester Fall führt Kommissar Oli in die Abgründe der isländischen Hochfinanz.
(SL)

Zunächst glaubt Kommissar Sigurdur Oli sozusagen an einen Routinefall, als ihn ein ehemaliger Klassenkamerad bittet, ihm bei einem Erpressungsfall zu helfen. Doch unversehens gerät der Reykjaviker Ermittler in die Welt der isländischen Hochfinanzen, als er bei seinen Recherchen herausbekommt, dass vor einem Jahr ein Banker bei einem Ausflug von einer Klippe zu Tode gestürzt ist und kurz darauf eine junge Frau von einem Schuldeneintreiber totgeschlagen wird. Es ist das Jahr 2005, und in Island boomt die Wirtschaft in ungeahntem Ausmaß. Doch die Spekulationen junger Unternehmer und dubioser Banker bringen die isländische Finanzwelt an den Rand des Abgrunds, und um ihre Ziele zu erreichen, sind sie offenbar zu allem bereit. Kommissar Sigudur Oli gerät bei seinen Ermittlungen unmittelbar selbst in Lebensgefahr. - Indridason ist nicht nur der renommierteste Krimiautor Islands, er ist auch weltweit einer der derzeit besten Kriminalschriftsteller. In gekonnter Weise spinnt er die überaus spannende Handlung vor dem gut recherchierten Hintergrund des isländischen Bankencrashs vor einigen Jahren. Dieser Krimi ist nicht nur ein Muss für alle Indridason-Fans. Er wird auch diejenigen, die den Autor bisher nicht kannten, schnell in seinen Bann ziehen (gut gelungen die Übersetzung von Coletta Bürling).
Günter Bielemeier

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350609

Boehning, Larissa:
Das Glück der Zikaden : Roman / Larissa Boehning. - 1. Aufl. - Berlin : Galiani, 2011. - 326 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-86971-039-6 fest geb. : 19,99

Drei Frauen aus drei Generationen auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben.
(SL)

Da sie von deutscher Herkunft ist, muss die leidenschaftliche Schauspielerin Nadja mit ihrer Familie vor Beginn des Zweiten Weltkrieges aus Russland fliehen. Doch sie verweigert in Deutschland die Anpassung, spricht weiterhin nur russisch, zieht sich in sich selbst zurück. Als sie stirbt, ist ihre Tochter Senta gerade schwanger von Gregor, einem Idealist, der in die DDR auswandert. Dorthin folgt Senta ihm nicht, sondern heiratet einen anderen. Doch die Liebe fehlt und auch ihre fünf Kinder können Senta nicht die Erfüllung geben, die sie sucht. Erst nach dem Tod ihres Mannes gesteht sie Katharina, dass er nicht ihr Vater war. - Für diese Geschichte wählt Larissa Boehning eine eindringliche Sprache, die die Sprachlosigkeit der drei Frauen noch betont. Motive wie das Klavierspiel und die Astrologie ziehen sich durch, bieten Schutz- und Ausdrucksmöglichkeiten. Ein ergreifendes Buch, etwas Besonderes.
Tina Schröder

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349640

Brandt, Jan:
Gegen die Welt : Roman / Jan Brandt. - 1. Aufl. - Köln : DuMont, 2011. - 927 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-8321-9628-8 fest geb. : 22,99

Eine Jungendbande verbreitet in einem ostfriesischen Ort Angst und Schrecken.
(SL)

In dem kleinen ostfriesischen Dorf Jericho gibt es kaum Abwechslung, nur der Tratsch sorgt für Unterhaltung. Daniel Kuper verbündet sich von klein auf mit den falschen Freunden. Spätestens, als er von ihnen in ein Maisfeld gelockt und nach den eingesteckten Prügeln Blut überströmt nach Hause kommt, gilt er als Sonderling, weil er die entsetzliche Erfahrung nicht anders verarbeiten kann, als überall zu erzählen, er sei von Außerirdischen angegriffen worden. Schon bald gehört Daniel einer Gruppe von Jugendlichen an, die in ihrer Freizeit Drogen nimmt und ihren Frust durch Gewalttaten an anderen loszuwerden versucht. Daniel selbst gerät schließlich in diese Spirale der Gewalt, der er nicht mehr entfliehen kann. - Brandt thematisiert nicht nur die Gewaltprobleme von Jugendlichen, sondern auch die Blindheit der Erwachsenen gegenüber dieser Entwicklung. Die detaillierte langatmige Beschreibung der Atmosphäre in Jericho trifft genau die Stimmung der betroffenen Jugendlichen. Ein Roman, der auf Realismus setzt, ohne in der Gewaltdarstellung allzu deutlich zu werden. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2011 - Shortlist)
Adelgundis Hovestadt

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349532

Byatt, Antonia S.:
Das Buch der Kinder : Roman / A. S. Byatt. - Frankfurt am Main : S. Fischer, 2011. - 894 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-10-004417-4 fest geb. : 26,00

Kleinere und größere Katastrophen bringen an der Wende vom 19. zum 20. Jh. Unruhe in das Leben einer englischen Familie.
(SL)

Olive Wellwood lebt mit ihrem Mann Humphry und den Kindern in der Nähe von London. Sie schreibt Kinderbücher, Humphry arbeitet bei einer Bank. Den beiden geht es wirtschaftlich gut. Sie führen daher ein gastfreundliches Haus und veranstalten immer wieder Gartenfeste, bei denen sich ein buntes Volk aus Künstlern, Literaten, Freidenkern und politischen Aktivisten jeder Art bei Theaterspiel, Musik und üppigen Picknicks vergnügt. Das britische Weltreich steht im ausgehenden 19. Jahrhundert auf seinem Höhepunkt, im Inneren machen sich aber schon Verfallserscheinungen bemerkbar. Die alte Ordnung beginnt zu wanken, gesellschaftliche Unterschiede führen zu Spannungen, die soziale Frage wird drängend, anarchistische Geheimbünde entstehen und sogar Frauen fordern vehement ihre Rechte ein. Olives Kinder gehen noch auf angesehene Schulen, eine Tochter wird sogar Ärztin. Schicksalsschläge wie der Selbstmord eines Sohnes und die Untreue ihres Mannes setzen der alternden Frau mehr und mehr zu. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs melden sich auch ihre Kinder begeistert zur Armee und erleben wie viele ihrer Altersgenossen an der Front die Schrecken sinnloser Attacken und Grabenkämpfe. Die, die den Krieg glücklicherweise überleben, sind gezeichnet und versuchen auf irgendeine Weise wieder Fuß zu fassen. - Am Beispiel einer Familie aus der gehobenen englischen Mittelschicht schildert dieser Roman das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben der ausgehenden viktorianischen Epoche in England und die Ernüchterungen zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Ein sehr breit angelegtes Werk, das eher für mittlere bis größere Bestände zu empfehlen ist. (Übers.: Melanie Walz)
Josef Schnurrer

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

568778

Cussler, Clive:
Das Gold von Sparta : Roman / Clive Cussler & Grant Blackwood. - Dt. Erstveröff., 1. Aufl. - München : Blanvalet, 2011. - 510 S. ; 19 cm (blanvalet ; 37683) – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-442-37683-4 kt. : 8,99
NE: Blackwood, Grant: Das Gold von Sparta

12 Weinflaschen aus dem Keller Napoleons sollen den Weg zu einem sagenhaften Schatz weisen.
(SL)

"Das Gold von Sparta" ist der neue Abenteuer-Roman aus der Feder des Bestsellergaranten Clive Cussler. Seine Helden, das Ehepaar Sam und Remi Fargo, leben ganz für das Aufspüren verschollener archäologischer Gegenstände. Zufällig werden sie Zeuge eines Überfalls auf ihren Informanten und Freund und durchkreuzen die Pläne des Täters. Auf diese Weise sind die Fargos unverhofft Gegenspieler des ukrainischen Mafia-Bosses Bondaruk geworden. Der sieht sich als Nachfolger des Persers Xerxes I. und versucht weltweit verfügbare Altertümer zu requirieren. In der Sammlung fehlen noch die Karyatiden, antike griechische Frauenfiguren, die Säulen oder Pfeiler ersetzen. In ihnen sollen die Herrscher von Delphi, die Siphnier, ihr eingeschmolzenes Gold versteckt haben, das verschollen ist. Zwölf Weinflaschen aus dem Weinkeller Napolenos sollen den Weg zu diesem Schatz weisen. Zufällig suchen die Fargos ebenfalls nach diesen Flaschen ¿ - Die Geschichte ist spannend, packend und fesselnd erzählt. Gelegentlich ist sie von erschreckender Brutalität, auch in der detaillierten Schilderung der Gewalt, und naiver Unempfindlichkeit der Helden. Durchschüsse machen etwa Sam Fargo scheinbar nichts aus, sie erfordern lediglich einen kurzen Krankenhausaufenthalt und schon ist alles wieder o.k. - Das Buch ist für Thrillerfans leichte Kost für zwischendurch. (Übers.: Michael Kubiak)
Karsten Steil-Wilke

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

569488

Doron, Lizzie:
Das Schweigen meiner Mutter : Roman / Lizzie Doron. - Dt. Erstausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2011. - 212 S. : Ill. ; 21 cm (dtv ; 24895 : dtv-premium) – Aus dem Hebr. übers.
ISBN 978-3-423-24895-2 kt. : 14,90

Die Suche nach dem Vater in einer Zeit, die vom Holocaust überschattet wird.
(SL)

(Übers.: Mirjam Pressler) Alisa, ein jüdisches Mädchen, wächst während der Nachkriegszeit in einem Tel Aviver Viertel auf, in dem der Holocaust noch stets gegenwärtig ist. Er spiegelt sich in den verschiedenen Schicksalen und dem Schweigen der Überlebenden, das die Holocaust-Opfer von der nachfolgenden Generation trennt. Alisa ist Teil dieser jungen Generation. Schon als Kind sucht sie nach Antworten: Was ist ein Krematorium? Sind die Deutschen böse? Und vor allem: Wer ist mein Vater? Von ihrer Mutter erfährt sie nichts. So denkt sie sich Geschichten aus: ihr Vater als gefallener Kriegsheld, als Verräter, als Schatten, der sie ständig verfolgt. Erst nach und nach lichtet sich das Geheimnis. Als Erwachsene stellt Alisa schließlich genauere Nachforschungen an. Das Ergebnis ist tragisch und irrwitzig zugleich: Alisas Vater lebte noch acht Jahre nach ihrer Geburt, wurde jedoch von ihr ferngehalten, da er an Tuberkulose erkrankt war. - Die Handlung des Buches springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der jungen und erwachsenen Alisa. Auslöser des Erinnerns ist eine Beerdigung, welche die Vergangenheit wieder aufleben und die Suche nach dem Vater neu beginnen lässt. Der verlorene Vater ist aber nur eine von vielen dramatischen Geschichten. Lizzie Doron schreibt über das schwere Thema Holocaust mit der Leichtigkeit eines Kindes und doch mit dem nötigen Feingefühl. Trotz dem sehr persönlichen Thema (Alisa als alter ego der Autorin, die selbst aus einer jüdischen Familie stammt) wahrt sie Distanz, gibt aber gleichzeitig einen tiefen Einblick in das Leben derer, die durch die Shoah traumatisiert wurden. An manchen Stellen fehlt die Übersetzung jiddischer Begriffe, ansonsten ein sehr beeindruckendes und empfehlenswertes Buch! (Übers.: Mirjam Pressler)
Aline Ehrenreich

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350138

Eschbach, Andreas:
Herr aller Dinge : Roman / Andreas Eschbach. - Orig.-Ausg., 1. [Aufl.]. - Köln : Lübbe, 2011. - 687 S. ; 22 cm
ISBN 978-3-7857-2429-3 fest geb. : 22,00

Ein Junge aus der chinesischen Arbeiterschicht sucht aufgrund der Liebe zu einer französischen Diplomatentochter einen Weg, die Unterschiede zwischen Arm und Reich auszumerzen.
(SL)

Es begann mit einem gewöhnlichen Abend, an dem Hiroshi plötzlich ein fremdes Mädchen bei sich im Garten stehen sah. Schnell findet er heraus, dass es sich dabei um die Tochter des französischen Botschafters handelt, und damit ist der Umgang mit ihr, laut seiner Mutter, einer einfachen Hausangestellten, verboten. Doch weder Hiroshi noch Charlotte scheren sich viel um Verbote, auch, wenn ihre Freundschaft immer wieder an Grenzen, nämlich an Standesgrenzen stößt. Seither gärt es in Hiroshi, der einen Weg finden will, wie man die Unterschiede zwischen Arm und Reich ausmerzen kann, einen Weg, wie jeder reich sein kann. Als Charlotte nach einem Zwischenfall auf einem Ausflug mit Hiroshi zu einem merkwürdigen, alten Artefakt plötzlich verschwunden ist, setzt Hiroshi in der Schule, im Studium und danach all seinen Ehrgeiz daran, diesen Traum vom allgemeinen Reichtum zu verwirklichen. Bald hat er die Lösung gefunden, doch die ist ebenso genial wie gefährlich, ebenso Segen wie auch Fluch ... - Mitreißend, schlüssig und einfallsreich beschreibt Eschbach die Bestrebungen eines zielstrebigen Wissenschaftlers, der mit seinem Wissen die Welt besser machen will. Diesen sowie auch Charlotte zeichnet er dabei sehr plastisch, verzichtet auf eine rührselige Liebesgeschichte und entwickelt dagegen zwei verschiedene Handlungsstränge, zwei Lebenslinien, die sich immer wieder kreuzen. Die physikalischen Erklärungen sind dabei gut nachzuvollziehen und so verlockend die Idee, die der Protagonist entwickelt, auch ist, so sehr lässt die Geschichte den Leser zugleich in Staunen und Ehrfurcht vor jenen Geistern, die er rief, begierig jede Seite verschlingen.
Sonja Schmid

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349545

Gablé, Rebecca:
Der dunkle Thron : historischer Roman / Rebecca Gablé. - Orig.-Ausg., 1. [Aufl.]. - Köln : Lübbe Ehrenwirth, 2011. - 956 S. : Kt., Ill. ; 22 cm
ISBN 978-3-431-03840-8 fest geb. : 24,99

Opulenter Historienroman über das England des 16. Jh., speziell die Regierungszeit Heinrichs des VIII.
(SL)

Der englische König ist noch mit Katharina von Aragon verheiratet, die ihm aber nicht den erhofften Sohn schenkte. Von der jungen Anna Boleyn erhofft er sich aber die männliche Nachkommenschaft und betreibt deshalb die Scheidung von seiner spanischen Ehefrau, was letztlich zur Trennung von der römischen Kirche führt. Gegen die Reform spricht sich unter anderen auch Nicholas of Waringham, Vertreter eines alten, aber in Ungnade gefallenen Adelsgeschlechtes aus. Es ist aber sehr gefährlich, sich den Wünschen des englischen Königs und dessen Vollstreckern zu widersetzen. Sowohl Kardinal Wolsey und nach dessen Fall v.a. Thomas Cromwell, Generalvikar der englischen Kirche, machen Waringham das Leben schwer. Nach der Hinrichtung von Thomas More, dem Humanisten, Juristen und ehemaligem Lord Chancellor, der sich bis zuletzt weigert, der Kirchentrennung zuzustimmen, ist den Anhängern des Papstes endgültig klar, dass Opposition lebensgefährlich ist. Waringham landet mehrmals im Gefängnis des Tower, kommt aber, zwar geschunden und gedemütigt, immer wieder frei. Er ist mit Mary, der Tochter des Königs befreundet und hilft ihr auch schon mal heimlich gegen die Anfeindungen späterer Ehefrauen Heinrichs. So erlebt Waringham in den Jahren zwischen 1529 und 1553 alle Turbulenzen und Ehefrauen des Königs am englischen Hof, bis zuletzt doch Mary, des Königs erste Tochter, Königin von England wird. - Das fiktive Geschlecht der Waringhams mit dem Hauptprotagonisten Nicholas wird von der Autorin geschickt und gekonnt mit den tatsächlichen historischen Figuren des Hofes, Adels und Klerus verwoben. Es gibt eine Fülle geschichtlicher Details aus englischer und europäischer Geschichte. Vor allem ist das Buch aber sehr unterhaltend und auch spannend. Es ist mit 950 Seiten etwas für ausdauernde Leser, aber gerade die Freunde dieses Genres kommen hier voll auf ihre Kosten. Überall einsetzbar.
Erwin Wieser

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349879

Hacke, Axel:
Das Beste aus meinem Liebeseben : ein kleiner Beziehungsberater / Axel Hacke. - München : Kunstmann, 2011. - 141 S. ; 17 cm
ISBN 978-3-88897-727-5 fest geb. : 12,00

Hürden und Hindernisse im Beziehungsalltag, von Axel Hacke vergnüglich aufbereitet.
(SL)

Am Beginn einer Beziehung sieht das gemeinsame Leben noch rosarot aus, meint man, bis man den Anfang von Axel Hackes Beziehungsratgeber liest: Danach hoffen 75 % der Frauen, dass ihr Männer sich im Laufe der Ehe ändern. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so reflektiert Axel Hacke in diesem Buch Situationen aus dem Beziehungsalltag von "Anderemänner" bis "Zahnpastatube". In seiner gewohnt humorvollen Art gelingt es ihm, das Problem auf den Punkt zu bringen und Lösungswege aufzuzeigen, ohne den therapeutischen Zeigefinger zu heben oder dogmatisch zu wirken. Ein Buch, das nachdenklich stimmt, zugleich unterhält und vor allem Anknüpfungspunkte bietet, an einer Beziehung zu arbeiten. Allen Beständen empfohlen.
Birgit Ebbert

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

345231

Kallentoft, Mons:
Blutrecht : Kriminalroman / Mons Kallentoft. - 1. Aufl. - Reinbek bei Hamburg : Wunderlich, 2011. - 509 S. ; 21 cm – Aus dem Schwed. übers.
ISBN 978-3-8052-5009-2 fest geb. : 19,95

Der neue Besitzer von Schloss Skogsa wird tot im Wallgraben gefunden - der dritte Fall für Malin Fors.
(SL)

Im Wallgraben des Schlosses Skogsa wird die Leiche des Wirtschaftsjuristen und neuen Schlossbesitzers Jerry Petersson gefunden. Alles deutet darauf hin, dass der Sohn des vormaligen Besitzers, Fredrik Fagelsjö die Bluttat begangen hat. Schließlich hat er durch Spekulationen an der Börse seine Familie in die missliche Lage gebracht, das Schloss verkaufen zu müssen. So wundert es nicht, dass Malin Fors und ihr Kollege Zeke mit den Nachforschungen in der Familie Fagelsjö beginnen - und auf eine Mauer des Schweigens stoßen. Erst als herauskommt, dass Jerry und Fredrik während ihrer Schulzeit gemeinsam in einen folgenschweren Unfall verwickelt waren, kommt Bewegung in den Fall. - Wie auch in den vorherigen Büchern, sind die Charaktere überzeugend in einer stimmigen Geschichte dargestellt. Auch in der Art und Weise des Schreibens bleibt sich Kallentoft treu, denn die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonisten und der getötete Petersson hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Wie auch die Vorgänger für alle Bestände geeignet. (Übers.: Christel Hildebrandt)
Jutta Weber

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350151

Kaminer, Wladimir:
Liebesgrüße aus Deutschland / Wladimir Kaminer. - 1. Aufl. - München : Manhattan, 2011. - 287 S. ; 20 cm
ISBN 978-3-442-54657-2 fest geb. : 17,99

Neue Geschichten aus dem Alltag des Berliner Schriftstellers.
(SL)

Nach mehreren Büchern, in denen der deutsch-russische Bestsellerautor seine Herkunft verarbeitet hat, scheint Kaminer jetzt endgültig in seiner neuen Heimat Deutschland angekommen zu sein. Familienvater ist er inzwischen auch und das spiegelt sich in vielen seiner neuen kleinen Geschichten wider. Er berichtet von seinen Erlebnissen auf Lesereisen quer durch Deutschland nach Hersbruck und Villingen-Schwenningen. Kaminer, der frühere Freak aus der "Russendisko", macht jetzt neuerdings Familienurlaub in Brandenburg und sorgt sich um die verschwundenen Kuscheltiere seiner Kinder. Auch das Schulleben mit all seinen Abgründen thematisiert er. Daneben beschäftigt er sich mit einem so urdeutschen Phänomen wie dem Leitzordner. Das alles mit entwaffnendem Witz und einem Schuss Selbstironie. Vergnügliche Lesemomente sind bei Kaminer garantiert! Breite Empfehlung.
Marion Sedelmayer

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350061

Lewitscharoff, Sibylle:
Blumenberg : Roman / Sibylle Lewitscharoff. - Berlin : Suhrkamp, 2011
ISBN 978-3-518-42244-1 fest geb. : 21,90

Wahrnehmen, was die Vorstellungskraft sprengt: Sibylle Lewitscharoffs Roman lässt den Philosophen Blumenberg mit einem Löwen wiederauferstehen.
(SL)

Der Philosoph im Roman ist eine merkwürdige Figur, dazu da, um Denken in Geschichten zu verwandeln. Wie das geht, zeigen Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" und Bernhards "Wittgensteins Neffe". Einen eher vagabundierenden Geist der Philosophie hat die 1954 geborene Sibylle Lewitscharoff zu ihrem Romanhelden gemacht: Hans Blumenberg (1920-1996), der neben seinen Hauptwerken über "Weltzeit und Lebenszeit" und die "Arbeit des Mythos" auch eine Sammlung von Reflexionen über den Löwen in der Kulturgeschichte hinterlassen hat (2001 erschienen). Lewitscharoffs "Blumenberg" (der Roman ist auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert) übernimmt die Tugend des Philosophen - der das Denken zu erzählen weiß -, man möchte fast sagen: kongenial. Aber es ist keine Philosophie in Romanform, die hier dem Leser geboten wird, sondern eine poetische Hommage an den Denker und - so Lewitscharoff - eine "moderne Heiligenvita". Denn der Löwe, der mitten in der Nacht gelb und gelassen auf dem Teppich in Blumenbergs Arbeitszimmer in Münster thront, ist kein phänomenologischer Spuk, kein Studentenulk, sondern eine beständige Denkherausforderung und ein wahres Wunder. So kann den Löwen, der den Philosophen in die Vorlesung und sogar im Auto begleitet, nur eine Nonne sehen. Hingegen sind die anderen unfähig, das über ihre Vorstellungskraft Gehende wahrzunehmen. Es sind, wie Blumenberg sagt, tröstungsbedürftige, aber trostlose Menschen. Die Handlung wird erweitert durch Episoden vom Leben und Sterben von Blumenbergs Studenten. Der "katholisch getaufte" Agnostiker, der den Glauben verloren hat, aber nicht "die Liebe zur Kirche", übersteht die Krisen, bis zum überraschenden, metaphysischen Ende. Der Philosoph und sein Wappentier, der Löwe: Ein famoser Grundeinfall, eine in jeder Hinsicht lehrreiche und zugleich auf hohem Niveau unterhaltende Lektüre, allen Beständen empfohlen.
Michael Braun

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349832

Maak, Niklas:
Fahrtenbuch : Roman eines Autos / Niklas Maak. - 1. [Aufl.]. - München : Hanser, 2011. - 363 S. : Ill. ; 22 cm
ISBN 978-3-446-23558-8 fest geb. : 19,90

Auf den Spuren der Besitzer eines Mercedes 350 SL.
(SL)

Am 3. November 1971 verließ ein Mercedes 350 SL die Daimer-Werkshallen in Stuttgart-Untertürkheim. Vierzig Jahre später begegnet der Niklas Maak dem Auto als Wrack auf einem Schrottplatz und beschließt, die Geschichte des Wagens und seiner Besitzer zu erzählen, die der Fahrzeugbrief preisgibt. Es sind die Geschichten bundesrepublikanischer Durchschnittsbürger, Menschen auf Irrwegen und in Lebenskrisen auf der Suche ihrer Identität. Der Chirurg Bellmann zum Beispiel, der, kurz nach seiner Hochzeit mit Ingrid, unvergessliche vierundzwanzig Stunden auf einer langen Fahrt mit der Amerikanerin Phillys verbringt, oder Marie Kempel, deren Leben 2001 in Berlin aus den Fugen gerät, und die schließlich in Marokko abtaucht. Die einzige Verbindung zwischen den Charakteren ist das Auto, das schließlich in seine Einzelteile zerlegt neue Besitzer in Nordafrika findet. Maaks Roman ist ein Panorama menschlicher Schicksale. Die Geschichten und Episoden sind randvoll mit hervorragend gezeichneten Figuren, die jeweils mit ihrer Zeit eng verwoben sind. Trotz der vielfältigen Handlungslinien hat das Buch einen Kern, der es zusammenhält: Maaks Humor verbunden mit der jüngeren Geschichte Deutschlands.
Walter Brunhuber

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349874

MacGrath, Melanie:
Im Eis : Kriminalroman / Melanie McGrath. - 1. Aufl. - Reinbek bei Hamburg : Kindler, 2011. - 460 S. : Kt. ; 21 cm – Aus dem Engl. übers
ISBN 978-3-463-40594-0 fest geb. : 19,95

Spannende Krimiunterhaltung in der Arktis.
(SL)

Die Arktis-Jägerin Edie Kiglatuk verdient sich zusätzliches Geld durch die Führung ausländischer Jagdtouristen. Auf einer der Touren kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Edie glaubt nicht an einen Unfall. Da die Dorfältesten aber beschließen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, nimmt sie ihre eigenen Ermittlungen auf, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Bald kommt sie dadurch selbst in Gefahr ... Am Ende kommt es zu einem großen, durchaus überraschenden Showdown. Der Lebensraum rund um den Nordpol, die dortigen gesellschaftlichen und politischen Strukturen mit all ihren Schwierigkeiten, Problemen und Besonderheiten bilden die Kulisse für einen spannenden Krimi, bei dem Krimi-Liebhaber durch den geschickten Aufbau von Neugier und Spannung voll und ganz auf ihre Kosten kommen. (Übers.: Margarete Längsfeld, Sabine Maier-Längsfeld)
Anna Schreiber-Schermutzki

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

570554

Melle, Thomas:
Sickster / Thomas Melle. - Berlin : Rowohlt Berlin, 2011. - 288 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-87134-719-1 fest geb. : 19,95

Vor allem sprachlich beeindruckender Debütroman eines jungen Berliner Autors, der zeigen soll, wie unser pervertiertes kapitalistisches System Menschen zerstört.
(SL)

Thorsten Kühnemund, 37-jähriger Manager im fiktiven Ölkonzern RADIKAL, seine kluge Freundin Laura und Magnus Taue, Untergebener Thorstens und mit der publizistischen Vermarktung des Konzerns befasst, sind die Protagonisten in Melles beeindruckendem Debütroman. Der Text muss wohl gelesen werden als Fundmentalkritik an unserem kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das verheerende physische und psychische Deformationen hervorbringt. Der hocheffiziente Manager Thorsten übersteht seine sinnentleerte Tätigkeit nur, indem er sich nächtens an Alkohol, Drogen und ständigen Sexeskapaden berauscht. Er ist "zu einer Art Sexmaniac geworden." (S. 34) Dass dabei seine Beziehung zu Laura zerstört wird, die von Angstattacken heimgesucht wird und schließlich in der Psychiatrie landet, ist eine nachvollziehbare Konsequenz. Magnus Taue schließlich, der am meisten an dem Widerspruch zwischen seinen idealistischen Ambitionen und seiner zynischen "Worthurerei" (S. 174) im Dienste des Ölkonzerns leidet, überdies unglücklich verliebt ist, flüchtet sich in die Parallelwelten des Internets und endet nach einem furiosen Eklat im Selbstmord. - Ein bemerkenswerter Gegenwartsroman, der das Lebensgefühl von Teilen der jungen Generation genau repräsentiert. Wie sein Protagonist entfesselt der junge Berliner Autor manchmal einen regelrechten "Metaphernsturm" (S. 224), sodass hin und wieder sogar das Gefühl entsteht, der Autor berausche sich selbst zu ausgiebig an seiner (allzu?) forcierten Metaphorik, während die inhaltliche Konzeption, insbesondere gegen Ende des Romans, nicht völlig überzeugt. So wird z.B. auch der kausale Zusammenhang zwischen persönlichem Scheitern und der zerstörerischen Wirkung unserer Wirtschaftswelt nicht stringent genug herausgearbeitet. Der Roman trifft dennoch auf alle Fälle den Nerv der Zeit und dürfte v.a. jüngere, literarisch ambitionierte Leser fesseln.
Helmer Passon

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349646

Muñoz Molina, Antonio:
Die Nacht der Erinnerungen : Roman / Antonio Muñoz Molina. - 1. Aufl. - München : Dt. Verl.-Anst., 2011. - 1002 S. ; 22 cm – Aus dem Span. übers.
ISBN 978-3-421-04499-0 fest geb. : 29,99

Ein arrivierter spanischer Architekt und eine junge Amerikanerin stürzen sich im Madrid der 1930er Jahre in eine leidenschaftliche Affäre.
(SL)

(Übers.: Willi Zurbrüggen) Der 48-jährige Ignacio Abel ist Bauleiter auf dem Campus der Madrider Complutense-Universität. Er hat sich aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet und genießt die Wertschätzung der republikanischen Regierung in Spanien. Studienaufenthalte im Ausland, wie zum Beispiel in Weimar und Berlin, haben ihn als Architekt entscheidend geprägt. Er hat in die Familie einer spanischen Hochbourgeoisie eingeheiratet, was seiner beruflichen Entwicklung in den Anfängen durchaus förderlich war. Sein Eheleben ist langweilig und leidenschaftslos. Dann lernt er die junge, attraktive Amerikanerin Judith Biely kennen, die sich im Rahmen einer Bildungsreise in Madrid aufhält. Sie beginnen eine Liebesbeziehung, die schnell in eine zerstörerische Obsession ausartet. Abels gutbürgerliche Fassade als souveräner, disziplinierter Familienvater bricht zusammen. Die ständigen Heimlichkeiten und Lügen belasten ihn mehr und mehr, und als seine Frau von der Untreue ihres Mannes erfährt, unternimmt sie einen ernsthaften Selbstmordversuch. Daraufhin beendet Judith die Beziehung abrupt und verschwindet. Abel will das nicht wahrhaben und sucht sie verzweifelt in der zunehmend chaotischen Stadt, in der sich die politische Lage gefährlich zuspitzt. - Einfühlsam schildert der bekannte spanische Autor die Liebesbeziehung des ungleichen Paares genauso wie die politischen Auswüchse und Verwerfungen in Spanien vor und zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges. Es ist ein Beziehungsroman und ein politischer Roman. Die minuziösen, eindringlichen und opulenten Schilderungen der zahlreichen Protagonisten und der Geschehnisse sind beeindruckend und bewegend. Ein ausführliches Glossar informiert über alle im Roman vorkommenden Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Es ist zu hoffen, dass sich viele Leser auf die großartige Geschichte einlassen. Für die Freunde des Autors ist das sicher keine Frage. (Übers.: Willi Zurbrüggen)
Erwin Wieser

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350128

Picoult, Jodi:
In den Augen der anderen : Roman / Jodi Picoult. - 1. [Aufl.]. - Köln : Lübbe Ehrenwirth, 2011. - 684 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-431-03841-5 fest geb. : 19,99

Spannender Roman um einen autistischen Jungen, der unter Mordverdacht gerät.
(SL)

Jacob Hunt ist anders als andere Jungen, er leidet am Asperger-Syndrom, einer speziellen Ausprägung des Autismus. Er braucht seine tägliche Routine, jede Störung in den gewohnten Abläufen bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Er kann keine Empathie entwickeln und sich kaum in andere Menschen hineinversetzen. Aber Jacob hat ein leidenschaftliches Interesse an Forensik. Er lebt mit seiner Mutter Emma und seinem - absolut gegensätzlichen - Bruder Theo zusammen. Als Jacobs Erzieherin Jess ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf ihn. Die Indizien sprechen gegen ihn. Es kommt zu einem dramatischen Prozess. Emma kämpft voller Leidenschaft um das Schicksal ihres Sohns. - Jodi Picoult ist eine routinierte Erzählerin, ungewöhnliche Familienkonstellationen sind immer wieder ihr Thema. Sie erzählt die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten und ihr gelingt damit eine ungemein spannende Mischung aus Familien- und Kriminalroman. Nebenbei erfährt der Leser durch die gelungene Darstellung viel über die befremdliche Welt von Autisten. Gerne empfohlen. (Übers.: Rainer Schumacher)
Marion Sedelmayer

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

351034

Piñeiro, Claudia:
Der Riss : Roman / Claudia Piñeiro. - Dt. Erstausg. - Zürich : Unionsverl., 2011. - 253 S. ; 21 cm (metro) – Aus dem Span. übers.
ISBN 978-3-293-00431-3 fest geb. : 19,90

Gesellschaftskritischer Roman aus Argentinien, verpackt in eine spannende Kriminalgeschichte.
(SL)

Pablo Simó, Mitte 40, Architekt, lebt ein eintöniges, wenig aufregendes Leben. Er ist seit 20 Jahren verheiratet, hat eine Tochter, fährt mit der U-Bahn zur Arbeit, trinkt jedem Tag vor dem Heimkommen einen Kaffee in der Kneipe an der Ecke, träumt von seiner Kollegin Marta - und zeichnet immer und immer wieder einen Entwurf für ein Hochhaus, das er nie bauen wird. Als eines Tages eine junge Frau in das Architekturbüro kommt und nach Nelson Jara fragt, ändert sich alles. Jara ist tot, liegt begraben unter einer Betondecke untern ihnen. Das weiß Simó, darf es aber nicht sagen. Doch Leonor, so heißt die junge Frau, scheint es auch nicht wirklich wissen zu wollen. Dafür scheint sie sich sehr für Simó zu interessieren. Und je näher die beiden sich kommen, je näher kommt Simó auch Jara. Jara, der eigentlich der Freund hätte sein können, den Simó schon lange nicht mehr hat. - Die Autorin schreibt ihre spannende Kriminalgeschichte fast fotografisch. Man meint beinahe die Hand nur nach den beteiligten Figuren ausstrecken zu müssen, so deutlich treten sie einem vor Augen. So leise und subtil wie sich Simó und Jara und ihre Rollen ändern, so leise und subtil ersteht vor dem Leser das Bild einer Gesellschaft, der echte Dramen und Werte ebenso fehlen wie der Mut, zur eigenen Individualität und der eigenen Meinung zu stehen. Ein wunderbares Leseerlebnis. Sehr zu empfehlen und sehr gut geeignet zur Diskussion in Literaturkreisen. (Übers.: Peter Kultzen)
Traudl Baumeister

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349657

Rávic Strubel, Antje:
Sturz der Tage in die Nacht : Roman / Antje Rávic Strubel. - Frankfurt am Main : S. Fischer, 2011. - 437 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-10-075136-2 fest geb. : 19,95

Der Zufall führt Erik auf eine abgeschiedene schwedische Insel, wo er sich in eine ältere Frau verliebt - seine Mutter, die er nie kennengelernt hat.
(SL)

Bei einer Reise durch Schweden führt der Zufall den 25-jährigen Erik auf eine abgeschiedene Insel, ein Vogelschutzreservat vor Gotland. Dort begegnet er Inez, die hier die ornithologische Station leitet. Obwohl wesentlich älter als er, fühlt sich Erik magisch zu ihr hingezogen. Wegen ihr bleibt er, und in der berückenden Schönheit und Rauheit dieses nordischen Sommers geben die beiden sich einer leidenschaftlichen Liebe hin. Doch mit Erik ist, zu Inez' Entsetzen, Rainer Feldberg auf die Insel gekommen und damit holt Inez ihre Vergangenheit in der DDR ein. Feldberg, damals Mitarbeiter der Staatssicherheit, hat Inez übel mitgespielt, und ist auch jetzt auf unheilvoller Mission. Er will Erik seinem Vater "zuführen", seinem früheren Stasi-Kollegen Felix Ton. Ton kandidiert nämlich für den Bundestag und möchte seine unrühmliche DDR-Vergangenheit vertuschen, um mit vorgetäuschten väterlichen Gefühlen Stimmen zu gewinnen. Als er Inez damals schwängerte, war sein Kollege Feldberg dafür verantwortlich, dass Inez' Eltern der Kontakt zu ihrer schwangeren Tochter verwehrt und sie vom Abitur ausgeschlossen wurde und dass sie ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freigab. Jetzt sieht er mit hämischer Freude zu, wie die inzestuöse Beziehung zwischen Mutter und Sohn sich entwickelt. - Antje Rávic Strubel erzählt diese unabwendbare, ödipale Liebestragödie in einem komplexen Erzählgeflecht, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Traum, Mutmaßungen und Wahrheiten vermischen und mehrere Handlungsstränge gekonnt ineinander verwoben werden. Ein tiefgründiger Roman über menschliche und politische Abgründe, in der den Protagonisten jederzeit die Gefahr eines Absturzes droht. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis - Shortlist)
Lotte Husung

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

354344

Schirach, Ferdinand von:
Der Fall Collini : Roman / Ferdinand von Schirach. - München [u.a.] : Piper, 2011. - 195 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-492-05475-1 fest geb. : 16,99

Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung für einen Mörder, dessen Opfer ein grauenvolles Geheimnis mit sich trug.
(SL)

Fabrizio Collini arbeitete 34 Jahre lang für einen deutschen Konzern. Als der mittlerweile Pensionierte offenbar grundlos in einem berühmten Berliner Hotel den Großindustriellen Hans Meyer in seiner Suite erschießt, bekennt er sich sofort schuldig. Der junge Strafverteidiger Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung und macht sich auf die Suche nach dem Motiv. Obwohl er mit Schrecken feststellen muss, dass er selbst im Haus des Opfers als Kind ein und aus ging, nimmt Leinen die Arbeit auf. Er erinnert sich, dass der Erschossene immer der fürsorgliche und liebevolle Großvater für seine Enkel Philipp und Johanna war. Doch als Caspar Leinen eines Tages nach Ludwigsburg reist und in einem Archiv tagelang Akten wälzt, macht er eine furchtbare Entdeckung, die das Opfer selbst zum Täter werden lässt. Auch nach einem Bestechungsversuch durch den Justiziar der Firma lässt Leinen nicht locker. Im Gerichtssaal deckt er Meyers Vergangenheit auf ... - Der Autor, selbst anerkannter Strafverteidiger, wirft spannende Fragen des deutschen Rechts und der deutschen Rechtsgeschichte auf. In die Figur Hans Meyer ist offenbar der Großvater des Autors eingeflossen, Baldur von Schirach. Dieser musste sich als Anhänger Hitlers im Nürnberger Prozess verantworten. Ferdinand von Schirachs Roman ist spannend wie ein Kriminalroman, locker-leicht erzählt und wirft zugleich existenzielle Fragen auf. Der Erzähler nimmt sich selbst zurück und überlässt es dem Leser, bei Fragen u.a. nach Schuld und Verantwortung, nach Recht und Gerechtigkeit Position zu beziehen. Ein gelungener und lesenswerter Roman. Sehr empfehlenswert.
Birgit Fromme

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349871

Smith, Tom Rob:
Agent 6 : Roman / Tom Rob Smith. - Dt. Erstveröff., 1. Aufl. - München : Manhattan, 2011. - 538 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-442-54677-0 fest geb. : 21,99

Ein Ex-MGB-Agent gerät als Berater der sowjetischen Besatzer in Afghanistan in große Gewissenskonflikte.
(SL)

Moskau 1950: Leo Demidow, Offizier beim russischen Inlandgeheimdienst MGB, gehört zu jenen, die unter Stalin zahllose Menschen, die nicht bedingungslos hinter dem System standen, in den Tod getrieben haben. Demidow, der sich von seinen früheren Untaten schon lange distanziert hat, kann sich nach einem Vorfall mit dem schwarzen amerikanischen Sänger Jesse Austin endgültig nicht mehr mit seinen Aufgaben als Geheimagent identifizieren, er steigt aus und versucht mit seiner Ehefrau Raisa, Tochter Elena und dem Adoptivkind Soya ein heiles Familienleben zu führen. Seine inzwischen zur Schuldirektorin beförderte erfolgreiche Frau darf sogar zu einem Versöhnungskonzert sowjetischer und amerikanischer Schüler in die USA reisen. Doch bei einem Mordanschlag auf Jesse Austin stirbt nicht nur der Sänger, auch Raisa wird erschossen. Demidow möchte nach New York reisen, um den Mörder seiner Frau zu finden, erhält aber keine Ausreisegenehmigung. Nach acht Jahren in Moskau mit Elena und Soya versucht er illegal die Grenze zu überschreiten, wird aber gefasst. Zur Strafe wird er nach Kabul geschickt, wo als Berater helfen soll, die kommunistische Revolution in Afghanistan vor dem Zerfall zu bewahren. Über zahlreiche Umwege gelangt er von dort doch noch nach New York und kann dort den Mann suchen, der weiß, was 1965 wirklich geschah: FBI-Agent 6. - Der dritte Leo-Demidow-Roman des Schriftstellers Tom Rob Smith knüpft nach der Enttäuschung mit "Kolyma" (in BP nicht bespr.) wieder an Smiths überzeugenden Debütroman "Kind 44" (s. BP 08/364) an. Der Autor zeichnet seine Figuren hautnah, glänzt mit fundiertem Detailwissen und versteht es ausgezeichnet und einfühlsam, die gewaltigen Konflikte beim Aufeinanderprall einer Besatzungsmacht mit einer völlig fremden Kultur zu vergegenwärtigen. Ein packendes Buch, sehr empfehlenswert für zeitgeschichtlich interessierte Leser. (Übers.: Eva Kemper)
Günther Freund

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349735

Stasiuk, Andrzej:
Hinter der Blechwand : Roman / Andrzej Stasiuk. - 1. Aufl. - Berlin : Suhrkamp, 2011. - 348 S. ; 21 cm – Aus dem Poln. übers.
ISBN 978-3-518-42254-0 fest geb. : 22,90

"Road Stories" aus dem Herzen der mittelosteuropäischen Finsternis.
(SL)

Versteckt in eine Romanstory berichtet Andrzej Stasiuk in seinem bislang umfangreichsten Werk von seinen Erkundungen in den vergessenen Winkeln weit hinter dem ehemaligen "Eisernen Vorhang". Der Titel des Romans "Hinter der Blechwand" klingt etwas weniger Furcht einflößend, aber das Paradies nach dem Ende des Kommunismus darf man sich da auch nicht vorstellen. Die beiden Hauptfiguren Pawel und Wladek tingeln mit ihren Billigtextilien von einem Markt zum anderen quer durch gottverlassene Gegenden in den polnischen, ukrainischen, rumänischen Grenzgebieten. Der Kommunismus hat dort nichts als verwüstete Landschaften und richtungslos herumirrende Menschen hinterlassen. Die Sehnsucht der Menschen gilt einem endlich aufblühenden Kapitalismus, der hier aber auch nur als schlechte Kopie und dritte Wahl angekommen ist. Überall stößt man auf Gebrauchtwagenmärkte, auf technischen Billigschrott aus Fernost, auf Massenkonsumware, die nach kurzem Gebrauch auch schon wieder auf den Müll landet. Und wo mit diesen Waren kein Geld mehr zu machen ist, verlegt man sich eben auf den lukrativen Menschenhandel, um die einschlägigen Nachfragen auf den Westmärkten zu befriedigen. Wären da nicht die beiden trotz allem lebenshungrigen Hauptfiguren und einige kauzig verschrobene Menschen auf den Märkten, dann würde dieser Roman nichts weiter als eine einzige triste Reise in das Herz einer verwüsteten Waren- und Seelenlandschaft bieten. Mit seiner kräftigen, mitreißenden, mit einigen der Figuren auch liebevoll umgehenden Sprache schafft es Andrzej Stasiuk aber, den Leser keinen einzigen Moment lang zu langweilen. Man kann dieses Buch auch lesen als ein einziges großes Requiem auf die mittelosteuropäische Kultur nach den kommunistischen und dann kapitalistischen Verwüstungen. (Übers.: Renate Schmidgall)
Carl Wilhelm Macke

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

569731

Streeruwitz, Marlene:
Die Schmerzmacherin : Roman / Marlene Streeruwitz. - Frankfurt am Main : S. Fischer, 2011. - 398 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-10-074437-1 fest geb. : 19,95

Seelen-Analyse einer jungen Frau, die sich auf eine harte und gewalttätige Ausbildung in der Sicherheitsindustrie einlässt und darunter leidet.
(SL)

Neun Monate im Leben einer jungen Frau: Nach einem abgebrochenen BWL-Studium und verschiedenen Jobs macht Amy Schreiber eine Ausbildung zur Sicherheitsexpertin, ist damit aber nicht zufrieden. Ihre Tante hatte ihr vorgeworfen, entscheidungsschwach zu sein und nie durchzuhalten. Im Trainingslager soll sie lernen, Gewalt anzuwenden. Damit kommt sie nicht zurecht und betäubt ihre Unsicherheiten und ihre Frustration mit Alkohol. Sie hängt an ihrem Freund Gino, der schwer verunglückt, erleidet eine Fehlgeburt, ohne zu wissen, dass und von wem sie schwanger war, und erlebt die schwere Krebserkrankung ihrer geliebten Pflegemutter. Die Welt um sie herum nimmt sie verschwommen und unter Schmerzen wahr und erlebt alles wie durch einen Nebel; sie hat kein Ziel im Leben, "das Leben tut (ihr) weh". Sie ist unfähig, "ihr Leben in die Hand zu nehmen". Ein beklemmender Bericht über die seelische Verfassung der Protagonistin, deren Verlorensein, Orientierungs- und Antriebslosigkeit eindringlich in einer kreativen Sprache mit kurzen, oft abgehackten Sätzen geschildert werden. Zusammengehalten wird diese Seelenschau durch die Ereignisse im Trainingslager, eine fremde Welt, die diffus bleibt, jedoch eine deutliche Kritik an der zweifelhaften Rolle der Sicherheitsdienste enthält. Die Lektüre des neuen Romans der bekannten österreichischen Autorin, der auf der Shortlist des deutschen Buchpreises steht, erfordert hohe Konzentration.
Ileana Beckmann

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

568014

Toews, Miriam:
Kleiner Vogel, klopfendes Herz : Roman / Miriam Toews. - Berlin : Berlin-Verl., 2011. - 284 S. ; 21 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8270-1029-2 fest geb. : 22,00

Die 19-jährige Mennonitin Irma Voth möchte der Einsamkeit und Isolierung ihres mexikanischen Exils entkommen.
(SL)

Die 19-jährige Irma Voth ist Mennonitin und lebt auf der Farm ihrer Eltern in einer mexikanische Kolonie. Da sie heimlich einen Mexikaner geheiratet hat, verbannt der fanatische und engstirnige Vater sie in ein Nebengebäude, Mutter und Geschwister darf sie nicht sehen, der Ehemann setzt sich bald ab. Als sich ein Film-Team einmietet und Irma als Übersetzerin für die deutsche Hauptdarstellerin einstellt, bemüht sich Irma verstärkt, der tatsächlichen und ideologischen Gefangenschaft zu entkommen. Da niemand das mennonitische Plattdeutsch in dem späteren Film verstehen wird, gibt sie in einer Art stillen Revolution - d.h. selbstoffenbarend, aber ohne Konsequenz - der Aktrice nicht die Drehbuch-Worte, sondern eigene Gedanken wieder. Neben den gut ausgeleuchteten Hintergründen der mennonitischen Lebensweise und der Situation Irmas als abtrünniger und abhängiger, starker und verletzter Frau geht es auch um ein Familiengeheimnis: Warum zog die Familie nach dem ungeklärten Unfalltod der älteren Schwester Hals über Kopf von Kanada nach Mexiko? Warum ist der Vater seitdem so verändert? Latenter Psychoterror, berührende Szenen, Schuld und Verstörung, verhaltener Humor, langsamer und intensiver Erzählton der Ich-Erzählerin - ein mit Gewinn zu lesendes, vorrangig Frauen empfohlenes Buch! (Übers.: Christiane Buchner)
Birgit Karnbach

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

349329

Turney, Lesley:
Die fremde Frau : Roman / Lesley Turney. - München [u.a.] : Pendo, 2011. - 475 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-86612-303-8 fest geb. : 19,99

Spannender bis vorhersehbarer Krimi über eine Frau, die sich Hals über Kopf in eine Beziehung mit einem nur scheinbar perfekten Mann und liebevollen Vater stürzt.
(SL)

In einer schwierigen Lebensphase flieht Sarah in einen Urlaub nach Griechenland. Dort lernt sie Alex und seinen Sohn Lukas kennen. Schon nach ein paar Tagen macht Alex ihr das Angebot, ihn zu sich nach Hause zu begleiten, um nicht mehr in ihre ehemalige, mit ihrem Ex geteilte Wohnung zurück zu müssen. Kurzer Hand nimmt sie an, denn Alex scheint ein aufrichtiger Kerl zu sein, dessen Frau ihm übel mitgespielt und ihn mit seinem Kind sitzen gelassen hat. Doch als sie bei ihm in Warwick ist, eröffnen sich ihr immer mehr Ungereimtheiten: Wer war seine Frau, die überall so beliebt gewesen ist? Warum ist sie ohne ein Wort verschwunden? Und wohin? Auf all diese Fragen bekommt Sarah nur noch verwirrendere Antworten, bis sie selbst nicht mehr weiß, ob sie Alex verdächtigen oder vertrauen soll ... - Düster eingefärbte Sonnentage beginnen den Roman, der kaum über die gängigen Klischees ("Verlassene Frau trifft hübschen Mann, verfällt ihm, er entpuppt sich als Mörder") hinausreicht. Dafür zeichnet Lisa Turney die Welt um Sarah und Alex in eindrucksvollen Bildern, die vor allem die emotionale Unentschiedenheit der Protagonistin eindringlich transportieren. Insgesamt eine vorhersehbare, aber gut lesbare Geschichte. (Übers.: Monika Köpfer)
Sonja Schmid

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

569346

Funke, Cornelia:
Geisterritter / Cornelia Funke. Mit Ill. von Friedrich Hechelmann. - Orig.-Ausg., 1. Aufl. - Hamburg : Dressler, 2011. - 252 S. : zahlr. Ill. (farb.) ; 23 cm
ISBN 978-3-7915-0479-7 fest geb. : 16,95

Fantasy-Gruselgeschichte über einen 11-jährigen Jungen, der von unheimlichen Geistern aus der Vergangenheit bedroht wird.
(K)

Weil der 11-jährige Jon den neuen Freund seiner Mutter auf keinen Fall akzeptieren will, soll er für einige Zeit das Internat in Salisbury besuchen, an dem schon sein verstorbener Vater Schüler war. Jon hadert mit sich und der ganzen Welt. Und als ob seine Situation nicht schon verfahren genug wäre, wird der Junge schon bald nach seiner Ankunft jede Nacht von unheimlichen Geistern bedroht, die ihm wegen einer uralten Familienfehde nach dem Leben trachten. Die nette Mitschülerin Ella, die sich bestens mit alten Gespenstergeschichten und Rittersagen auszukennen scheint, gibt dem verzweifelten Jungen den Rat, den Geist des rechtschaffenen Ritters Longspee um Hilfe zu bitten, der in der Kathedrale von Salisbury begraben ist. Die beiden Kinder ahnen nicht, auf was sie sich einlassen, als sie sich eines Nachts in der berühmten alten Kirche einsperren lassen ... - In einer gelungenen Mischung aus Fantasy, Rittersage und Freundschaftsgeschichte und mit einigen Verweisen auf historisch belegte Hintergründe lässt Cornelia Funke ihren (leider manchmal seltsam flach und oberflächlich wirkenden) Helden rückblickend von seinen spannenden und manchmal ziemlich gruseligen Abenteuern erzählen. Das traditionsreiche englische Internat und die imposante mittelalterliche Kathedrale sind der ideale Schauplatz für diese unheimliche Gespenstergeschichte. Mit der Ausstattung des neuesten Buchs der bekannten Autorin hat sich der Verlag erkennbar viel Mühe gemacht. Die zahlreichen farbigen Illustrationen des bekannten Künstlers Friedrich Hechelmann verstärken nachhaltig die gruselige Grundstimmung des Textes. Dunkle Farben, markante Lichtkontraste und dramatische Bildinhalte bilden eine atmosphärisch stimmige Illustration des Geschehens, auch wenn Hechelmanns großartige Bilder in diesem kleinen Format nicht ihre volle Wirkung entfalten können.
Angelika Rockenbach

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

350356

Maar, Paul:
Sams im Glück / Paul Maar. - Hamburg : Oetinger, 2011. - 206 S. : zahlr. Ill. (farb.) ; 20 cm
ISBN 978-3-7891-4290-1 fest geb. : 12,00

Eines Tages ist das Sams weg. Denn nach 15 Jahren, 15 Tagen und 5 Minuten muss es wieder in die Samswelt zurück. Eine Träne führt zu einer überraschenden Lösung.
(K)

Für dieses Buch braucht man keine Werbung zu machen, denn darauf haben alle Sams-Fans gewartet und sie werden nicht enttäuscht. Es wird wieder richtig aufregend. Das Sams ist zu lange bei Familie Taschenbier und deswegen verwandeln sich die Familienmitglieder immer häufiger zu Samsen - mit chaotischen Folgen! Wie in den sechs vorangehenden Bänden ist die Geschichte wieder leicht lesbar und gut verständlich geschrieben und witzig illustriert. Sie ist so spannend, dass ein echter Sams-Fan sie in einem Stück durchlesen möchte. Sehr empfehlenswert für alle ab 9 Jahren, auch als Vorfreude auf den Film.
Emily Greschner

Seitenanfang  |  nächste Besprechung


Cover

569171

White, Kiersten:
Flames 'n' Roses : lebe lieber übersinnlich / Kiersten White. - 1. Aufl. - Bindlach : Loewe, 2011. - 380 S. ; 22 cm – Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-7855-7238-2 fest geb. : 17,95

Fantasyroman für Jugendliche, in dessen Zentrum Evie und Lend mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten versuchen, der Kraft es Bösen zu widerstehen.
(J)

In der Zentrale der IBKP (Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler) wohnt und arbeitet die 16-jährige Evie. Sie hat den Auftrag, nicht registrierte Paranormale aufzuspüren und mit einer Fußfessel zu markieren. Rund um die Zentrale deutet sich eine Bedrohung an: überall gibt es Tote unter den Paranormalen. Um dem zu begegnen und Informationen zu sammeln, bricht Lend, ein Gestaltwandler, in die Zentrale ein. Evie und Lend mögen sich von Beginn an. Doch da ist Reth, der Evie willenlos machen kann und sie an sich binden will. Er spielt mit einer Prophezeiung, die Evie einen Schlüsselstelle im Kampf für das Böse zuweisen will. Evie muss gemeinsam mit Lend versuchen, die Situation zu entwirren. - Ein witziger, flotter Teenieroman, dem die Düsternis vieler Fantasyromane abgeht. Allen Beständen mit Schwerpunkt Jugendbüchern seht zu empfehlen! (Übersetzung Jessica Komina und Sandra Knuffinke)
Susanne Körber

Seitenanfang


Sie können jedes der hier besprochenen Bücher wie gewohnt über ihren jeweiligen Büchereiverband bestellen. Am einfachsten ist es über das nachfolgende E-Mail-Bestellformular. Dazu klicken Sie bitte den für Sie zutreffenden Button an. Natürlich können Sie uns Ihre Bestellung auch schriftlich, per Fax oder telefonisch zuleiten. Nennen Sie dabei bitte Kurztitel und Mediennummer.


 
Bestellen beim St. MichaelsbundBestellen beim Borromäusverein

 
 
Zurück zur Startseite