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Mai 2010 |
Sachbücher: ![]() 328501 Baumann, Gerlinde: Ausgezeichnete und knappe Einführung zum christlichen Glauben an das ewige Leben. Seit Jahrtausenden stellen sich die Menschen die Frage, ob mit dem biologischen Ableben des Organismus auch das Ende der eigenen Existenz feststeht. Gerade im Hinblick auf das im Leben erlittene Leid und Unrecht (etwa wenn ein Kind stirbt oder man durch Krankheit schwer gelitten hat) ist diese Erkenntnis nur schwer zu akzeptieren. Die verschiedenen Religionen haben die unterschiedlichsten Ansätze entwickelt, um mit diesem Thema umzugehen. Neben dem Gedanken der Reinkarnation wie etwa im Hinduismus hat u.a. das Christentum die Lehre vom ewigen Leben nach der Auferstehung der Toten verbreitet. Die biblische Zusage des ewigen Lebens birgt immense Hoffnungen für die Gläubigen - und doch ist dieser Glaube nicht nur den meisten Nichtchristen fraglich oder rätselhaft, sondern auch vielen Menschen christlichen Glaubens. Die Autorin Gerlinde Baumann war evangelische Gemeindepfarrerin und ist jetzt Privatdozentin für Altes Testament an der Universität Marburg. In ihrem Buch geht sie knapp, aber äußerst präzise und leicht verständlich, auf praktisch alle Fragen ein, die sich mit dem Tod und dem Leben danach beschäftigen - eine deutliche Empfehlung für jede KÖB. ![]() 321741 Grescoe, Taras: Auf der Suche nach ökologisch gefischtem Fisch zur Rettung der Meereswelt. Die Tatsache, dass knapp 80 Prozent des weltweit vorhandenen Speisefisches wegen Überfischung verschwunden sind, bedeutet für die gesamte Menschheit eine Katastrophe. Der Autor dieses ca. 550 Seiten umfassenden Taschenbuches will mit seiner provokativen Aussage "Fisch ist aus!" den Leser aufrütteln mitzuhelfen, die Weltmeere und deren Lebewesen zu retten. An zehn verschiedenen Schauplätzen zeigt er, wie Fisch und andere Meerestiere als Gourmetspeise oder Fastfood auf den Tisch kommen und was dabei falsch läuft. Auf dieser Reise durch die Weltmeere erzählt er spannend, einprägsam und zugleich sehr informativ von portugiesischen Sardinen, Marseiller Bouillabaisse und chinesischer Haifischflossensuppe und legt so eindrücklich die allgemeinen Spannungen zwischen Umwelt, Konsum und Marktwirtschaft dar. Ein großes Quellenverzeichnis und Tipps zum ökologischen Konsumverhalten sowie generelle Informationen zu Fischfangtechniken runden dieses Buch als unterhaltendes Werk ab, durch das der Leser zum Nachdenken über den eigenen Fischverzehr angeregt wird. Sehr empfehlenswert! ![]() 329654 Miegel, Meinhard: Entwurf einer künftigen Gesellschaft, die Wohlstand auch ohne wirtschaftliches Wachstum garantieren könnte. Erneut widerspricht der renommierte Sozialwissenschaftler Miegel dem vorherrschenden Paradigma, Wohlstand sei ohne Wirtschaftswachstum nicht zu erlangen. Besonders die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die globale Umweltkrise und die überlasteten sozialen Sicherungssysteme werden dabei zunächst als Belege herangezogen, dass die bisherige Wachstumsideologie gescheitert und dringend ein Umdenken geboten ist. Wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die auf Wachstum verzichtet und ihren Mitgliedern dennoch ein erträgliches Auskommen bietet, entfaltet Miegel anschließend. Viele Aspekte wie die Neubewertung von Arbeit, die Stärkung von Gemeinsinn und Verantwortung für den Nächsten, die Förderung kultureller Vielfalt und sozialer Bildung sind aus christlicher Sicht sehr zu begrüßen. Doch bleibt am Ende die Skepsis, ob das hier skizzierte auch mit vielen Zumutungen verbundene Modell eine belastbare und realistische Alternative zur heutigen Wirtschafts- und Lebensweise darstellen könnte. - Zweifelsohne ein wichtiger Titel für einen unbedingt notwendigen gesellschaftlichen Diskurs. ![]() 329669 Stiglitz, Joseph: Hochaktuelle und verständlich geschriebene Untersuchung zu Ursachen und Konsequenzen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Es gab nicht viele Ökonomen, die vor Ausbruch der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Gefahren der angeblich überregulierten, tatsächlich zu wenig kontrollierten Märkte hingewiesen haben. Joseph Stiglitz, 2001 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet, war einer von ihnen. Über die Ursachen der Krise sind sich die meisten Fachleute mittlerweile einig, welche Konsequenzen zu ziehen sind, dagegen keineswegs. Nicht nur in diesem Punkt vertritt Stiglitz in seiner Untersuchung klare Standpunkte, wobei er sich letztlich als Schüler von John Maynard Keynes erweist. Seine Abhandlung bietet zunächst eine fulminante Abrechnung mit den Deregulierungsbefürwortern und Nutznießern dieser ökonomischen Doktrin. Ohne eine strikte Regulierung der Finanzmärkte und die Etablierung eines global koordinierten regulatorischen Ordnungsrahmens (S. 278) werden sich weitere schwere Krisen nicht vermeiden lassen. Auf der Basis einer differenzierten Lage- und Ursachenanalyse fordert Stiglitz eine Neukonzeption der US-amerikanischen wie auch der globalen Wirtschaftsordnung. - Das Buch bietet eine außerordentlich fundierte, dennoch gut lesbare und politisch überaus aktuelle Analyse eines Insiders, die sich an alle wendet, die mehr wissen wollen als das, was die Medien gemeinhin bieten. Jedem Interessierten wärmstens empfohlen! ![]() 564688 Hofmann, Gunter: Die Wirkungsgeschichte des national wie international hochgeachteten Bundespräsidenten a.D. In diesem Porträt legt der Autor weniger Wert auf eine chronologische Abfolge der Lebensstationen Richard von Weizsäckers, sondern auf die entscheidenden Weichenstellungen in dessen Leben und politischem Wirken. So thematisiert er die familiären Hintergründe und die Kriegsjahre, das Verhältnis zum Vater und dessen ambivalente Mitarbeit im Dritten Reich, die ost- und deutschlandpolitischen Anstöße, die eigenständigen Ideen in der parlamentarischen Arbeit, die historische Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes und die kritischen Momente, in denen sich der Bundespräsident a.D. mit sicherem und klarem Urteil einmischte. - Diese eindrucksvolle, originell konzipierte und nicht kritiklose Lebensbeschreibung eines großen Staatsmannes im Spiegel der deutschen Geschichte ist allen Büchereien sehr zu empfehlen. ![]() 329653 Lindemann, Mark: Realistischer Bericht über die aktuelle Situation der Bundeswehr in Afghanistan. Auch wer mit den manchmal scharf und sarkastisch formulierten Aussagen in diesem Buch nicht immer einverstanden ist, wird die kompetente und realistische Beschreibung der Situation der Bundeswehr in Afghanistan zur Kenntnis nehmen müssen. Der ehemalige Nachrichtenoffizier Marc Lindemann kritisiert die Versäumnisse der Vergangenheit und die vertanen Chancen, die mangelnde Unterstützung der Soldaten durch die Bevölkerung und die Politik, die fehlende offensive Ausrüstung der Bundeswehr und die nicht vorhandenen Möglichkeiten, in wichtigen Fällen der Bevölkerung die notwendige Hilfe zu leisten. Mit Beispielen schildert er die Taktik der Angreifer, die Korruption der afghanischen Polizei, die Probleme multinationaler Einsätze, das unkooperative Vorgehen der Entwicklungshilfe und der verschiedenen zivilen Hilfsorganisationen und die bündnispolitischen Zusammenhänge. Das ernüchternde und erschreckende Fazit ist nicht so sehr der Verzicht auf Demokratie als die Notwendigkeit, um der Stabilität willen mit den verbrecherischen Warlords zusammenzuarbeiten. - Das empfehlenswerte Buch öffnet den Blick auf eine Realität, die trotz der gefallenen Soldaten in vielen Fällen immer noch verdrängt wird. ![]() 326344 Zajcek, Jasna: Was bewegt die Frauen, die als Soldatinnen Deutschland in der Welt verteidigen? Jasna Zajcek, eine in Berlin geborene renommierte Journalistin, hat ein Jahr lang Soldatinnen während ihrer Ausbildung und im Einsatz begleitet. Sie wollte die psychologischen und soziologischen Hintergründe beleuchten, warum sich Frauen im "männlichsten" aller Berufe, dem Dienst an und mit der Waffe, engagieren. Dazu nahm sie vorab aktiv an der allgemeinen Grundausbildung teil. Sie besuchte Soldatinnen und Soldaten im Libanon, im Kosovo, in Bosnien und Herzegowina, im Sudan und in Dschibuti in Ostafrika. Ein Besuch in Afghanistan kam trotz mehrfacher Zusagen aus teilweise kurzfristig vorgeschobenen Gründen immer wieder nicht zu Stande. Die verschiedenen Teilabschnitte der Einsatzgebiete, in denen sie das Leben vor allem der Soldatinnen verfolgt, werden jeweils durch offizielle Informationen zum Auftrag eingeleitet. Diese sind im Schriftbild deutlich erkennbar. Durch Interviews und persönliches Erleben versucht die Autorin der Motivation, den Erwartungen und den Träumen der Soldatinnen nachzuspüren. Bei mehreren Gesprächspartnerinnen wird der wirkliche Name durch einen anderen ersetzt, um Ängste vor Repressalien, aber auch vor der Öffentlichkeit gar nicht aufkommen zu lassen. So entsteht ein interessantes Buch über Frauen beim Militär, das nicht durch die jeweiligen Pressestellen gefärbt ist, sondern aus dem Erleben vor Ort seine Informationen bezieht. ![]() 325837 Grann, David: Ein Forscher sucht nach einer versunkenen Hochkultur im brasilianischen Regenwald. Als der Journalist David Grann zufällig auf alte Tagebücher über eine Expedition in das Amazonasgebiet stößt, ist seine Neugier geweckt. Was geschah mit dem englischen Forscher Percy Fawcett, der sich 1925 mit seinem Sohn aufmachte, die Spuren einer jahrhundertealten Kultur im Amazonasurwald zu finden? Was verbarg sich hinter der geheimnisvollen Stadt Z? Das immer wieder gesuchte El Dorado? Fawcetts Expedition kam nie aus dem Regenwald zurück. Und Generationen von Abenteurern und Ethnologen machten sich auf die Suche nach seinem Schicksal. Ohne Erfolg. Jetzt macht sich David Grann auf. Und stößt in seiner abenteuerreichen Expedition in den brasilianischen Regenwald auf Ungeahntes und Unbekanntes. - Granns Geschichte ist so spannend, dass sein Reisebericht nicht nur lange Zeit in den Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste zu finden war, er wurde auch mit Brad Pitt verfilmt. Nun liegt die Dokumentation in deutscher Übersetzung vor (Übers.: Henning Dedekind). Und wer das Buch in die Hand nimmt, wird es bis zur letzten Seite kaum mehr weglegen. ![]() 329131 Agus, Milena: Drei sardische Schwestern gräflicher Herkunft hüten den verfallenden Familienpalast und suchen ihr Lebensglück. Eine Wohnung für jede ist alles, was sich drei Schwestern vom ererbten Stadtpalast, dessen frühere Pracht bröckelt, noch leisten können. Der Rest des Gebäudes musste verkauft werden. Noemi, die Älteste, spart verbissen, um alles zurückerwerben zu können. Darüber ist sie sauertöpfisch geworden und ohne Mann geblieben. Obwohl ihre Schwestern alles tun, um sie endlich an den Richtigen zu bringen. Der smarte Elias, der liebevoll die Fassade des Innenhofes restauriert, scheint ein hoffnungsvoller Kandidat zu sein. Auch die Jüngste, wegen ihrer Unfähigkeit in praktischen Dingen des Lebens Contessa di Ricotta genannt, sucht noch die große Liebe. Ein neuer Nachbar, der Flieger ist und zumindest an ihrem kleinen Sohn Gefallen findet, versetzt sie in einen gefühlsmäßigen Höhenflug mit drohenden Abstürzen. Maddalena, die Mittlere, die trotz des aufregenden Liebeslebens mit ihrem Mann immer noch nicht schwanger geworden ist, scheint noch die geringsten Probleme zu haben. - Ein amüsanter Unterhaltungsroman, in dem sich nach bitteren Enttäuschungen und schwesterlichem Zickenkrieg alles noch zum Guten wendet. (Übers.: Monika Köpfer) ![]() 564895 Anam, Tahmima: Mit dem Krieg um die Unabhängigkeit Bangladeshs verbindet sich das Schicksal einer Witwe, deren Kinder gegen die pakistanischen Unterdrücker in den Kampf ziehen. Wenn Bangladesh in unseren Nachrichten auftaucht, dann meist im Zusammenhang mit Naturkatastrophen. Kaum jemand erinnert sich noch an den blutigen Unabhängigkeitskampf von 1971. In dieser Zeit spielt der Debütroman der in Bangladesh geborenen, aber im Ausland aufgewachsenen jungen Autorin. Im Mittelpunkt steht die Witwe Rehana, die nach dem Tod ihres Ehemanns ihre beiden Kinder an kinderlose Verwandte verlor. Erst als sie nachweisen kann, dass sie über genügend Mittel verfügt, um Sohn und Tochter zu versorgen, bekommt sie sie zurück. Als der Bürgerkrieg ausbricht und ihre Kinder sich für die Loslösung ihres von Pakistan unterdrückten Landes einsetzen, gibt Rehana nur langsam ihre passive Rolle auf. Doch der Krieg macht nicht vor ihrer Haustüre halt. Und so muss sie sich entscheiden, wie weit sie zu gehen bereit ist. - Tahmima Anam hat einen rundum gelungenen Roman geschrieben, der gekonnt ergreifende Einzelschicksale mit dem dramatischen historischen Geschehen verknüpft. Allen Büchereien empfohlen. (Übers.: Anke Caroline Burger) ![]() 329044 Bennett, Alan: Sechs skurrile Monologe einsamer Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Alltagsproblemen zu kämpfen haben. Eigentlich sind sie ein eingespieltes Team, der nicht mehr ganz taufrische Graham und seine Mutter, die nicht mehr alles auf die Reihe bringt. Sie wohnen zusammen, haben ihre Eigenarten und genießen das Leben. Doch auf einmal taucht Mr. Turnbull auf, umgarnt die Mutter und nichts ist mehr, wie es einmal war. Nur gut, dass sich letztlich herausstellt, dass es sich um einen Heiratsschwindler handelt. So wie Graham berichten noch fünf andere Personen aus ihrem Leben. Etwa eine Miss Ruddock, die dazu neigt, missliebige Dinge per Brief anzusprechen und um Abhilfe zu bitten. Da sie dabei einmal übers Ziel hinausschießt, landet sie im Gefängnis. Noch tragischer ist das Schicksal von Doris, die altersbedingt auf eine Putzfrau angewiesen ist, die jedoch ihre Pflichten stark vernachlässigt. Sie kann nachweisen, dass unterm Kanapee nicht geputzt wurde, doch erkauft sie sich diesen Triumph mit einem gebrochenen Bein. - Typisch englischer Humor der staubtrockenen Art, fein ausbalanciert zwischen Tragik und Komik. (Übers.: Ingo Herzke) ![]() 328935 Bruneau, Carol: Der Schlaganfall ihres Mannes stellt Lucy Caines vor große Probleme und lässt sie ihr Leben und ihre Ehe überdenken. Lucy und Harry Caines sind über 70 und im Ruhestand; ihr Sohn Jewel ist verheiratet und hat einen 18-jährigen Sohn. Als Harry einen Schlaganfall erleidet, ändert sich plötzlich das Leben der Familie. Die Handlung spielt 1969 und 1970 mit Rückblenden in die Vergangenheit, beginnend mit der historisch belegten Explosion eines Munitionsschiffes in Halifax 1917, seit der die kleine Tochter Helena vermisst ist, Jewel geboren wurde und Harry ein Auge verlor. Lucy sieht in Erinnerungsblitzen diesen Alptraum immer wieder vor ihren Augen. Auch die Jahre ihrer Ehe tauchen auf, während sie hilflos am Krankenbett ihres Mannes sitzt und Entscheidungen treffen muss, die sie überfordern. Sie erinnert sich an ihre Beziehungsprobleme, kann den Verlust des Kindes nicht verwinden; Sehnsüchte und Ängste quälen sie, sie lebt mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Als Harry aus dem Koma erwacht ist und nach Hause entlassen wird, gerät sie in Panik, statt glücklich zu sein. "Tag und Nacht vermischen sich zu einem düsteren Brei aus Füttern, Waschen, Pflege". Zugleich freut sich Lucy über die Fortschritte, die Harry macht, sie kümmert sich fast zu intensiv um ihn. Die Familie kommt sich wieder näher. Die Beschreibung der Gefühle und Ängste Lucys, ihrer zwiespältigen Empfindungen, sind detailliert und sehr intensiv dargestellt. Ein ruhiger, intensiver Eheroman, der stark berührt und den Leser über das Leben nachdenken lässt. (Übers.: Gregor Hens) ![]() 323144 Deaver, Jeffery: Ein hoch brisanter Thriller über den Zusammenhang von Computerspielen und Gewalt bei Jugendlichen. Am Straßenrand steht ein Gedenkkreuz mit dem Todesdatum von morgen. Und tatsächlich entdeckt die Polizei am nächsten Tag ein junges Mädchen in einem Kofferraum, ihre Rettung in letzter Sekunde ist reiner Zufall. Während ihrer Ermittlungen nimmt Verhörexpertin Kathryn Dance als Hauptverdächtigen Travis, einen Mitschüler des Opfers, ins Visier, und in einem Internet-Blog wird der Jugendliche schon bald als "Kreuzmörder" gebrandmarkt. Eine Hetzjagd auf den jungen Mann nimmt ihren Anfang, als mehr und mehr Menschen aus dem Kreis der Blog-Kommentatoren in Gefahr geraten und sogar getötet werden. - Jeffery Deaver widmet sich in seinem neuesten Thriller einem aktuellen Thema. Eindringlich zeigt er den Zusammenhang zwischen Gewalt bei Jugendlichen und Computerspielen auf und führt dabei vor Augen, wie es möglich werden kann, dass für Computersüchtige die Grenzen zwischen der realen und der synthetischen Welt fast vollständig verwischen. Die synthetische Welt gewinnt an Bedeutung, ihre obersten Werte - das Kämpfen und Töten - werden gerade von jungen Menschen immer stärker verinnerlicht. Und auch die Rache ist im Gegensatz zum wirklichen Leben durchaus legitim. Welch Schreckensszenario unter solchen Bedingungen entstehen kann, präsentiert Deavers Roman auf äußerst beunruhigende Weise. Ein brisanter Thriller, der in keiner Bücherei fehlen sollte. (Übers.: Thomas Haufschild) ![]() 328734 Drury, Tom: Liebevoll beschriebene Szenen über das Leben in einer US-amerikanischen Provinz. Der Dieb und Gelegenheitsverbrecher Charles Darling wird von seiner Frau Louise verlassen. Sheriff Dan Norman beginnt daraufhin eine Beziehung mit Louise. Ihr Zusammenleben könnte so harmonisch sein, wäre da nicht zum einen Louises Ex-Mann und zum anderen die undurchschaubare Louise selbst. Humorvoll, äußert amüsant und ganz liebevoll wird in vielen kleinen Episoden und Geschichten das Leben in einer typisch US-amerikanischen Provinzstadt beschrieben. In Grafton passiert nichts Besonderes und so sind die Höhepunkte des Jahres der Blutspendetermin und die Aufführungen der Schule. Man bekommt das Gefühl, dass in dieser Provinz die Uhren etwas langsamer ticken. Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird nicht enttäuscht werden. Allen Beständen gerne zu empfehlen. (Übers.: Gerhard Falkner u. Nora Matocza) ![]() 327007 Düffel, John von: Erinnerungen an ein berühmtes ehemaliges Hotel und zugleich Annäherung an den verkannten Vater. Diese Erzählung ist schon 2006 erschienen, jetzt aber mit 15 Seiten Zeichnungen der bekannten Komikzeichnerin Isabel Kreitz neu in den Handel gebracht worden. Bereits das Vorsatzblatt mit seinen weißen und roten Längsstreifen, das an alte Tapeten erinnert, stimmt den Leser auf die Atmosphäre eines alten Nobelhotels e in. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen, oft drei auf einer Seite, illustrieren nicht bloß das Geschehen, sondern erzählen auf ihre Weise, was im Text nicht immer direkt angesprochen wird. Die Erzählung stellt die vergeblichen Bemühungen des Vaters des Erzählers vor, das durch ein Erdbeben zerstörte Grandhotel "Angst", Resid enz der Oberschicht des alten Europa vor dem Ersten Weltkrieg, wieder aufzubauen. Dabei erscheint als Grundthema die Suche des Sohnes nach seinem Vater, der ih m zu Lebzeiten fremd geblieben war. Es klingen die Motive Verlust und Sehnsucht nach dem Verlorenen an, verbunden mit den Leitmotiven Neugierde und Angst, der Angst vor dem Tod und dem Untergang. Die Bilder und die Sprache wirken eher nüchtern, sachlich, lassen aber dennoch eine Traumatmosphäre lebendig werden, die L andschaft, Architektur und Hauptfigur umfängt. ![]() 318496 Fischer, Erica: Eine obsessive Liebe zwischen Ruth und Michael. Als Ruth in Wien Michael kennenlernt, verfällt sie schnell dem Charme des smarten Niederländers. Gemeinsam beginnen sie ihr Leben in Amsterdam, wo sich Michael leidenschaftlich als Helfer für Flüchtlinge des Balkankrieges betätigt. Doch hinter dieser Fassade scheint es dunkle Geheimnisse zu geben: Eine andere Liebschaft, aus der ein Kind entstanden sein soll, ist dabei noch eine der harmloseren Verdächtigungen. Ruths Nachforschungen werden zu einer Reise in ihre eigene Vergangenheit. So kommt sie auch Michael wieder näher - und gerät damit in Gefahr. - E. Fischer ist ein literarisch hochwertiger Roman gelungen, der durch eine klare Sprache besticht und somit gerade anspruchsvollere Leser begeistern wird. Sehr empfehlenswert. ![]() 326701 Gaarder, Jostein: Ein Mann und eine Frau, vor dreißig Jahren ein Liebespaar, das sich nach einem schrecklichen Unfall getrennt hatte, treffen einander zufällig wieder. Solrun und Stein treffen einander zufällig in einem Hotel im norwegischen Fjordland - dem Ort, an dem sie sich vor dreißig Jahren nach einem traumatischen Ereignis getrennt haben. Solrun ist eine "christliche Spiritualistin", sie glaubt an übersinnliche Phänomene: "Natürlich kann man bedauern, dass wir nicht alles zwischen Himmel und Erde erklären können (...)", während Steinn Naturwissenschaftler ist. Er staunt über die Wunder der Welt und nicht über die Rätsel des Übersinnlichen. Er glaubt "an das, was ist". Die beiden beginnen einen Briefwechsel per Email, um zu verstehen, was sie damals getrennt hat. Gibt es ein Leben nach dem Tod und steckt eine göttliche Idee hinter dem Universum? Oder müssen wir uns an die Fakten der Evolutionsgeschichte halten, wenn wir der Wahrheit näher kommen wollen? Gleich welcher geistigen Strömung der Leser vertraut, ob spirituell oder analytisch, religiös oder zweifelnd - beide Seiten sind für den Leser überzeugend dargelegt. Der Norweger Jostein Gaarder wurde 1993 mit "Sophies Welt" weltberühmt - ein Buch über die Suche nach dem Sinn des Lebens. Auch "Die Frau mit dem roten Tuch" handelt von den großen philosophischen Fragen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Dabei gerät er gelegentlich ins Dozieren, was auf den Leser ermüdend wirkt. Dennoch schafft der Autor es bis zum Schluss, den Spannungsbogen zu halten. Die dunklen Geheimnisse der Geschichte, das Mysterium der "Frau mit dem roten Tuch", werden erst in einem dramatischen Finale gelüftet. Ein Lesevergnügen für diejenigen, die sich für die großen Sinnfragen, eingebunden in eine Liebesgeschichte, interessieren. (Übers.: Gabriele Haefs) ![]() 327031 Hammerstein, Lukas: In der Wirtschaftskrise entführt Max mit jungen Aktivisten eine Bankerin und erkennt in ihr seine Jugendliebe Lisa wieder. Max ist fünfzig Jahre alt, als er sich mitten in der Wirtschaftskrise einer Gruppe von desillusionierten, jungen Aktivisten anschließt. Sie sehen sich als Opfer und beschließen sich zu wehren, indem sie Elisabeth Locust, die Ikone der Finanzmärkte, entführen. Das Problem ist, dass kein Bild vom "Biest", von "Mrs. Bad", wie sie sie auch nennen, zu existieren scheint, sonst hätte Max schon vor der Geiselnahme bemerkt, dass sich hinter Elisabeth Locust seine alte Jugendliebe Lisa Pauly verbirgt. Max kennt Lisa schon seit Kindertagen. Eine Liebesgeschichte nahm ihren Lauf, wobei sich Max und Lisa nie ganz und gar aufeinander einließen, aber immer den Kontakt hielten. Als Max nachts bei der Entführten Wache hält, denkt er rückblickend an seine Vergangenheit und an die gemeinsamen Erlebnisse mit Lisa. Mit zahlreichen Studienabbrüchen und Jobwechseln ist sein Leben ein einziges Auf und Ab. Die Liebe zu Lisa ist die einzige Konstante in seinem Leben. Schließlich lässt Max Elisabeth Locust frei. Denn wenn ein Geiselnehmer seine Geisel liebt und sich herausstellt, dass die entführte Bankerin Locust finanzkritische Artikel unter ihrem Mädchennamen Lisa Pauly veröffentlicht, ist der Entführung als aufrührerischem Akt der Boden entzogen. Eine anrührende, nachdenklich stimmende Liebesgeschichte vor einer stark gesellschaftskritischen Folie. An Romanen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen interessierten Leser/innen gern empfohlen. ![]() 564720 Hart, John: Johnny kann und will sich nicht mit dem spurlosen Verschwinden seiner Schwester abgeben. Ein Jahr ist es her, dass Johnnys Zwillingsschwester Alyssa verschwunden ist. Inzwischen ist daran die Familie zerbrochen, der Vater ebenfalls fort, die Mutter hat sich dem Tablettenkonsum ergeben und wird von ihrem neuen "Freund" dominiert und geschlagen. Doch Johnny gibt nicht auf - er will wissen, was mit seiner Schwester passiert ist. Als noch ein weiteres Mädchen verschwindet, wird auch die Polizei wieder aufmerksam. - Nach "Der dunkle Fluss" folgt hier ein weiterer, ebenfalls preisgekrönter Titel des Autors. Wieder bietet er alles, was ein guter Thriller haben muss: Eine sich konsequent aufbauende und zuspitzende Spannung, gut dosiertes Tempo und dazu noch nachvollziehbar geschilderte Charaktere - alles in allem also sehr empfehlenswert. (Übers.: Rainer Schmidt) ![]() 328119 Kambalu, Samson: Autobiographischer Roman um eine Jugend in Afrika, die geprägt ist von Not und Krankheiten, aber auch von Hoffnung und Lebensfreude. Chaotisch und lebensfroh trotz vieler Rückschläge, so geht es in diesem afrikanischen Debütroman zu, in dem der Autor sein eigenes Leben erzählt, und in dem sein Vater, der titelgebende "Jive Talker" die größte Rolle spielt. Im ebenso kleinen wie bitterarmen Malawi, das nach der britischen Kolonialzeit zur Diktatur wurde, verfügt der Vater zwar über eine große Bibliothek und ein breites Wissen, das er besonders nach dem Genuss von Alkohol gerne seinen Zuhörern ausufernd präsentiert. Aber auf der anderen Seite hat er trotz seiner Stellung als Aushilfsarzt ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen, die mit jedem Kind, das hinzukommt, größer werden. Der kleine Samson erweist sich bald als ein aufgewecktes Bürschchen. Vom belesenen Vater inspiriert, spielen in seiner Kindheit die Bibel, Nietzsche und Michael Jackson gleichberechtigte Rollen. Nach dem Tod der Eltern besucht er eine Eliteschule, entdeckt seine künstlerische Ader und zieht schließlich nach Großbritannien. - Wer das authentische Afrika kennenlernen möchte, kommt hier ganz auf seine Kosten. (Übers.: Marlies Ruß) ![]() 326989 Kinkel, Tanja: Historischer Roman über den nie geklärten Tod der Ehefrau Robert Dudleys, eines Günstlings Elisabeths I. von England. Unter Heinrich VIII. wird Robert Dudley zusammen mit dessen Kindern den späteren Thronerben Edward, Mary Tudor und Elisabeth I. am Hof erzogen. Als Elisabeth schließlich Königin von England wird, ist der inzwischen verheiratete Dudley deren Günstling. Seine Frau Amy weiß er vom Hof fernzuhalten, doch als Amy eines Tages auf dem Landsitz in Cumnor tot aufgefunden wird, ist ganz England davon überzeugt, dass Dudley seine Frau ermordet hat oder gar die Königin selbst für Amys Tod verantwortlich ist. Mit ihrem Erzähler Blount, der den mysteriösen Tod Amys aufklären soll, entführt uns Tanja Kinkel in die Anfänge der Regierungszeit Elisabeths I. Sie stellt die Königin als kluge und für ihre Zeit erstaunlich emanzipierte Frau mit politisch-diplomatischem Geschick vor. Wie von der Autorin nicht anders zu erwarten, werden historische Fakten und Charaktere geschickt mit spannender Fiktion vermischt. Ein Lesegenuss - nicht nur für Kinkel-Fans. ![]() 329138 Kui, Alexandra: Als ihr Großvater verschwindet, macht sich Liv auf nach Island und kommt dort einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Liv Engel hat keine enge Verbindung zu ihrer eigenen Familie. Nur ihr störrischer Großvater Tönges liegt ihr am Herzen. Als dieser nach einem Familienstreit plötzlich verschwunden ist, ist ihre ganze Familie relativ uninteressiert daran. Doch dann erfährt Liv von einer Schwester ihres Großvaters, die schon lange in Island wohnt. Sie ist sich sicher, dass Tönges dort sein muss und macht sich Hals über Kopf auf die Reise dorthin. Doch während all dieser Zeit ahnt Liv nicht, dass die beiden Geschwister ein dunkles Geheimnis verbindet und die Großmutter an einen seltsamen Fluch glaubt, der über der Familie lastet. In Island angekommen, verliebt sich Liv in den charismatischen Runar, der ihr sofort bei der Suche nach Tönges hilft. Sie ahnt nicht, dass Runar als Verwandter von dem angeblichen Fluch weiß und heimlich alles tut, dass Liv nicht mit seiner Großmutter ins Gespräch kommt. - Alexandra Kui ist es gelungen, tief in das Seelenleben ihrer schwierigen Hauptperson Liv blicken zu lassen und nach und nach subtile Spannung aufzubauen. Die Beschreibungen von Island mit seiner ungewöhnlichen Landschaft und alten Glaubensvorstellungen an Trolle und Feen machen die Handlung noch lebendiger. Insgesamt ein sehr gelungener, tiefgründiger Krimi, der einem lange im Gedächtnis bleibt. ![]() 564980 Liang, Diane Wei: Schatten der Vergangenheit reichen auch in die Gegenwart in China. (Übers.: Susanne Hornfeck) Nach mehreren Jahren im Staatsdienst macht sich die junge Mei Wang selbständig und eröffnet ein als "Auskunftei" getarntes (jedoch in China verbotenes) Detektivbüro in Peking. Eines Tages erhält sie den Auftrag, nach einer verschwundenen Künstlerin zu suchen. Bei ihren Recherchen, die sie unverzüglich beginnt, wird sie mit einem der dunkelsten Kapitel der chinesischen Geschichte der Neuzeit konfrontiert, der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Tianmen-Platz 1989. Damals hatte sie große Sympathie für die Demonstranten empfunden, war aber selbst nicht mutig genug, aktiv teilzunehmen. Deshalb wird sie auch Jahre danach noch immer von einem Schuldgefühl den damaligen Studenten gegenüber geplagt. Als sie sich bei ihren Nachforschungen näher mit der Person der vermissten Kaili befasst und sich irgendwie zu ihr hingezogen fühlt, wird deren Leiche gefunden. Obwohl für ihren Auftraggeber die Angelegenheit nun erledigt ist und er ihr sogar weitere detektivische Maßnahmen untersagt, lässt sich Mei Wang nicht davon abhalten, aus eigenem Interesse den Fall zu klären und den Mörder Kailis ausfindig zu machen. Dabei stößt sie auf eine tragische Liebesgeschichte. Diane Mei Liang beschreibt sehr einfühlsam die einzelnen Personen und Schicksale, aber sie schildert auch schonungslos offen die sozialistische Gesellschaft im heutigen China und die Repressalien, denen die Bevölkerung trotz allen wirtschaftlichen Fortschritts und der politischen Öffnung ausgesetzt ist, sowie die Ängste, mit denen sie täglich zu leben hat. Eine spannende und interessante Lektüre, die allen Büchereien empfohlen werden kann. (Übers.: Susanne Hornfeck) ![]() 328652 Löhr, Robert: Um die deutsche Krone vor Napoleon zu retten, tarnen sich einige der größten deutschen Dichter und Denker als fahrende Theatertruppe. Napoleon ist auf dem Siegeszug durch Europa. Was ihm noch fehlt, ist die Kaiserkrone des Deutschen Reiches. Doch nur Heinrich von Kleist weiß, wo das symbolträchtige Juwel versteckt ist und will es für den preußischen König retten. So folgen die Handlanger des französischen Geheimdienstes seiner Fährte. Doch Kleist, der sich die Krone inzwischen aneignen konnte, hat illustre Helfer gefunden. Johann Wolfgang von Goethe, Madame de Stael, Wilhelm Schlegel und Ludwig Tieck. Um nicht aufzufallen, geben sie sich als wandernde Theatertruppe aus und nehmen zur besseren Tarnung die junge Schauspielerin Eleonore und deren Hund Stromian mit. Verfolgt von den Häschern zieht die Truppe mit ihrer Wanderbühne nun von der Schweiz aus Richtung Norden. Als sie von Soldaten angehalten werden, die auf Abwechslung aus sind, müssen sie sich als Theaterleute beweisen. Mit den vorhandenen Requisiten aus ihrem Karren stellen sie, mehr oder weniger aus dem Stegreif, Shakespeares Hamlet auf die Beine... - Mit einer gehörigen Portion Unverfrorenheit lässt der Autor Klassiker deutscher Geistesgeschichte in einer historisch verbrämten Krimikomödie agieren. Dieser Roman unterhält auf hohem Niveau! ![]() 564728 Overeem, Vincent: Eine moderne, fesselnd erzählte Liebes- und Familiengeschichte eines jungen holländischen Autors. Eine Frau ertrotzt sich ein zweites Kind, ein Wunschkind. Aber Krijn ist leider ein schwach begabtes, kränkliches Kind, "eine Missgeburt", wie ihn der Vater in ärgerlichen Momenten nennt. Krijn beschäftigt sich einerseits mit abwegigen Fragen, andererseits ist er in der Schule völlig überfordert. Eine "Katastrophe" für die Familie, besonders für den aufstiegsorientierten Vater. Der Ich-Erzähler erinnert sich an seine Kindheit vor der Geburt Krijns, als er noch in wundervoller Harmonie mit seinem Vater lebte, als die Eltern sich noch verstanden und liebten. Und er kann es sich auch nach seiner "Flucht" in die große Stadt nicht eingestehen, dass er selbst, der sich immer rührend um den kleinen Bruder sorgte, schließlich durch einen unbeherrschten Ausbruch für dessen Freitod mitverantwortlich war. Diesen Tod will er nicht wahrhaben. Er wirft den Erzähler völlig aus der Bahn. Statt ein Studium zu beginnen, schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Die Vergangenheit gewinnt immer wieder die Oberhand, hängt wie Blei an ihm und sie belastet auch das Zusammenleben mit seiner wunderschönen Freundin Kaat. Diese sensibel erzählte romantische Liebe droht fast zu zerbrechen. Erleichtert registriert der Leser, dass sich am Ende zumindest dies zum Guten wendet. - So muss ein Roman sein, so intensiv, so berührend, so klug und so mühelos-fesselnd erzählt, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen mag! Ein Roman, der hundertprozentig den Nerv einer Zeit trifft, die den Wert des Einzelnen evaluieren und auf sein stromlinienförmiges Funktionieren hin vermessen will. Auf der Strecke bleiben die "misfits", die Unangepassten, die Außenseiter, die Individualisten... zum Schaden von uns allen, die wir uns unreflektiert und klaglos dem Diktat der Norm und des scheinbar Notwendigen beugen. Unbedingt anschaffen! (Übers.: Christiane Kuby) ![]() 564585 Pásztor, Susann: Vier Menschen treffen sich, um das geheimnisvolle Leben ihres verstorbenen Vaters und Großvaters zu beleuchten. Hannah, Marika und Gabor sind drei völlig unterschiedliche, sich gegenseitig fremde Erwachsene mit einer bedeutenden Gemeinsamkeit: ihr Vater ist Joschi Molnár. Dieser ist verstorben und keiner der drei Halbgeschwister weiß, was für ein Mensch Joschi eigentlich war und warum er für keinen von ihnen ein liebevoller Vater war. Um ihrem Unwissen endlich ein Ende zu setzen, beschließen die drei, sich zu Joschis 100. Geburtstag in Weimar zu treffen. Mit von der Partie ist auch Marikas 16-jährige Tochter Lily, die ein Referat über Buchenwald und ihren dort im Zweiten Weltkrieg inhaftierten Großvater verfassen möchte. Was zunächst skurril, witzig und amüsant beginnt, nimmt ernste Konturen an, als herauskommt, dass Joschis erste Frau und zwei Kinder als Juden im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben gekommen sind. Die drei Halbgeschwister stoßen immer wieder auf Ungereimtheiten im Leben ihres Vaters. Niemand durchschaut so ganz, was Wahrheit und was Erfindung ist, denn Joschi betrieb seine eigene Legendenbildung, wozu auch die Frage zählte, ob er selbst Jude war oder nicht. - Mit feiner Beobachtungsgabe, großem Einfühlungsvermögen und viel Humor erzählt Susann Pásztor eine Familiengeschichte, in der das Tragische und das Komische ganz eng beieinanderliegen. Unterhaltsam und empfehlenswert. ![]() 328647 Pehnt, Annette: Sechs Erzählungen über kurze Momente von großer Intensität. Die Freiburger Erzählerin (*1967) leuchtet in ihren Geschichten den menschlichen Alltag eindringlich aus und macht aus selbstverständlichen Begebenheiten luzide erzählte Ereignisse. Wenn etwa die Insassen einer Behindertenschule ein Krippenspiel vorbereiten oder die phantasievolle Zugbegleiterin die Passagiere eines ICE kontrolliert und neben ihnen einschlafen will oder eine junge chinesische Frau auf kuriose Weise den Verlust ihrer Schönheit entdeckt oder wenn eine geplatzte Ader im Gesicht der Mutter die Pläne einer Familie durcheinanderbringt o.ä., so kommen da bei Annette Pehnt in schlichten Sätzen immer überraschend berührende Momente zum Vorschein, die den Leser zum Nachdenken anregen (und ihn wohl wegen ihres knappen, kahlen Stils auch manchmal aufregen). Für Freunde ausgefallener und zum Nachdenken anregender Geschichten ein Genuss! ![]() 564979 Robinson, Peter: Zwei Morde, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, beschäftigen Alan Banks und Annie Cabbot in ihrem neuen Fall. Während sich Chief Inspector Alan Banks im Labyrinth von Eastvale mit dem Mord an Hayley Daniels beschäftigt, wird Detective Inspector Annie Cabbot nach Yorkshire gerufen. Dort sitzt Karen Drew, eine vom Kopf abwärts gelähmte Frau, mit durchschnittener Kehle in ihrem Rollstuhl an der Küste. Keiner aus dem Pflegeheim kann sich genau an die Frau erinnern, die mit ihr spazieren gefahren ist. Auch scheint Karen keine Angehörigen zu haben - nur eine Anwältin, die sich um Karens Angelegenheiten kümmert. Und sie lässt die Bombe platzen: Denn bei Karen handelt es sich um Lucy Payne, der Freundin des Teufels, Terence Payne, der viele Mädchen tötete. Aber Lucy konnte nichts nachgewiesen werden - und nach einem Unfall, der sie lähmte, wurde ihre Identität geändert. Wer wusste davon? Dann gibt es im Labyrinth einen weiteren Mord und Parallelen zu Annies Fall werden deutlich. - Auch in seinem 17. Fall überzeugt der Autor wieder mit der gewohnt dichten Atmosphäre seiner Romane. Die Protagonisten sind sympathisch und überzeugend dargestellt - beruflich und privat - also: Ein Lesevergnügen für alle Krimi- und besonders Alan-Banks-Fans - darum gerne für alle Bestände empfohlen. ![]() 328118 Santis, Pablo de: Phantasievolle Hommage an die klassische Detektivgeschichte. Der berühmte Detektiv Roberto Craig aus Buenos Aires richtet eine Akademie ein, um Assistenten in der hohen Kunst der Ermittlung auszubilden. Schließlich wählt er den Schusterssohn Salvatrio als seinen Adlatus aus und entsendet ihn als seinen Vertreter nach Paris zum Treffen der Zwölf Detektive, eine Vereinigung der weltbesten Detektive. Der recht ahnungslose Sigmundo Salvatrio gerät in Paris mitten in die Vorbereitungen für die Weltausstellung 1889 und taucht ein in die Geheimnisse, Rivalitäten und Intrigen, die die zwölf hochmögenden Detektive umgeben. Jeder der eitlen Ermittler vertritt seine eigene Philosophie des Verbrechens, einer will den anderen übertreffen und mit der Aufklärung verzwicktester Kriminalfälle übertrumpfen. Da stürzt einer der Herren von der Baustelle des Eiffelturms in den Tod. Selbstmord oder Mord, das ist die Frage aller Fragen, das Rätsel von Paris! - Der Argentinier Pablo de Santis schreibt eine wunderbar verschlungene Hommage an die Detektivgeschichte. Nichts ist so, wie es scheint. Edgar Allan Poe und Sir Conan Doyle lassen herzlich grüßen. Ein Schmankerl für Freunde der literarisch ambitionierten Kriminalgeschichte. (Übers.: Claudia Wuttke) ![]() 321871 Schwartz, Simon: Der 50-jährige Schauspieler Simon kümmert sich fürsorglich um Tante Ilse und denkt über das Altwerden und Altsein nach. Die Mutter des 50-jährigen Schauspielers Simon ist gestorben. Während er sich um die Beerdigung kümmert und Gedanken an seine Kindheit nachhängt, erfährt er, dass eine Verwandte seiner sehr viel jüngeren Lebenspartnerin Charlotte in das Berliner Altenheim "Villa Waldeslust" umziehen muss. Simon lernt mit Tante Ilse eine lebenslustige und liebenswürdige stolze alte Dame kennen und findet, dass sie in diesem Altenheim nicht bleiben kann. Es wird für ihn zu einer Herzensangelegenheit, für Tante Ilse einen Ort zu finden, an dem sie sich wohlfühlt. Er besichtigt mit ihr verschiedene Heime in Berlin, bis er schließlich sogar einen Gnadenhof in Erwägung zieht. Simon steigert sich regelrecht in die Sorge um Tante Ilses Wohlergehen hinein, bringt dadurch deren Familie in Aufruhr und durchlebt mit Charlotte eine Beziehungskrise. Als er erfährt, dass Tante Ilse ernstlich krank ist und die Pflegebedürftigkeit immer stärker zunimmt, muss er ein wenig resignierend feststellen, dass "Villa Waldeslust" die beste Lösung ist. In der aufopferungsvollen Fürsorge für Tante Ilse drückt sich Simons Angst vor dem eigenen Alter und dem Altern, vor dem Aufgeben der Selbstständigkeit und dem Abhängig werden aus. Ein anrührendes Buch, das zum Nachdenken über ein würdevolles Menschsein im Alter anregt. Sehr empfehlenswert. ![]() 318485 Seghers, Jan: Vielschichtig konstruierter Krimi um den eigenbrötlerischen Kommissar Marthaler. Als sie den Transport des berühmten Gemäldes "Das Paradiesgärtlein" aus dem Frankfurter Städel zum Flughafen begleitet, wird die schwangere Freundin von Kommissar Marthaler überfallen und schwer verletzt, das Gemälde geraubt. Marthaler, offiziell von den Ermittlungen ausgeschlossen, begibt sich auf eigene Faust auf die Suche nach den Tätern. Unterstützt von der toughen Journalistenschülerin Anna und das Interesse des schmierigen Boulevardredakteurs Arne Grüter ausnutzend, entdeckt er, dass es einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Überfall mit einem vierzig Jahre zurückliegenden Mord an einer Frankfurter Prostituierten gibt. Damals wie heute scheinen die Spuren ins Frankfurter Geldadel-Milieu zu führen. - Beim Lesen ist es nicht immer einfach, alle Handlungsstränge der vielschichtig konstruierten Geschichte im Blick zu behalten. Langweilig wird es jedoch nie. Und wer die hessische Rhön kennt, wird die Verbrecherjagd mit besonderem Interesse verfolgen. Allen Büchereien gerne empfohlen. ![]() 565278 Siller, Rolf: Gegen alle Widerstände versucht ein Schüler Meister Eckharts dessen geistlichen Nachlass zu retten. Diese Romanbiografie erzählt die Geschichte von Meister Eckhart, der vielen als bedeutendster Vertreter der deutschen christlichen Mystik gilt. Nach seinem Tod macht sich sein Schüler Conrad von Halberstadt trotz vieler Widerstände und Gefahren auf den Weg, um die Schriften Meister Eckharts zu sammeln und der Nachwelt zu erhalten. Die Denkweise und Spiritualität Meister Eckharts werden auf diese Art herausgearbeitet und können einer breiten Leserschaft dienlich sein, die sich nicht im Verlauf wissenschaftlicher Studien mit der Mystik des Mittelalters auseinandersetzen kann. Dies ist jedoch umso wichtiger, als dass die Aktualität Eckhartscher Weltdeutung aus historischer, theologischer und philosophischer Sicht nichts eingebüßt hat. "Die uneinholbare Voraussetzung seines Denkens besteht in der Annahme, dass der Mensch in seinem letzten Grund immer schon göttlicher Natur ist. Der Mensch bewegt sich nicht auf Gott zu, weil er schon immer bei ihm angekommen ist." schreibt der Autor Rolf Siller in seinem Nachwort (S. 285). Siller, emeritierter Professor an der der Hochschule für Pädagogik in Heidelberg, gelingt es, diese Romanbiografie detail- und kenntnisreich zu gestalten. Sein Schreibstil gibt die mittelalterliche Atmosphäre gut wieder, ohne allzu künstlich zu sein - das Buch könnte sich zu einem Geheimtipp entwickeln. Sehr zu empfehlen! ![]() 564417 Stephenson, Neal: Origineller Science Fiction-Roman um die Möglichkeiten zur Abwehr einer außerirdischen Bedrohung. Der junge Fraa Erasmas lebt auf dem Planet Arbre in einem der vielen von der Außenwelt abgeschlossenen Konzente, die sich als eine Art philosophisch-wissenschaftlicher Karmel umschreiben lassen. Nur alle zehn Jahre nimmt sein Orden Kontakt mit der säkularen Welt auf. Als eine außerarbrische Bedrohung auftaucht, ruft die die eigenständigen Konzente tolerierende weltliche Macht die geistige Elite dieser Gemeinschaften zusammen. Gemeinsam werden Lösungswege gesucht und umgesetzt, um der Gefahr zu begegnen. Als letzter Ausweg wird eine Mission zum fremden Raumschiff durch verschiedene Wahrscheinlichkeitsebenen hindurch zur vielleicht letzten Chance für Arbre durchgeführt. - Anathem lebt vor allem durch die ausführlichen, bildhaften Beschreibungen der an Traditionen und Wissen reichen Konzente. Die zahlreich auftauchenden, fremdartigen Begriffe werden durch eingeschobene Auszüge eines fiktiven Wörterbuchs erklärt. Geeignet für Leser, die tief in eine sorgsam ausgearbeitete Welt eintauchen wollen. Ausgestattet mit einer Zeittafel, einer Erklärung aller Begriffe sowie zusätzlicher Dialoge im Anhang. (Übers.: Juliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl) ![]() 317610 Swarup, Vikas: Unterhaltsame Kriminalgeschichte um den Mord an Vicky Ray, den Sohn des indischen Innenministers. "Rupien! Rupien!", der erste Roman von Swarup, wurde mit großem Erfolg als "Slumdog Millionaire" verfilmt. Jetzt hat der indische Diplomat und Schriftsteller seinen zweiten nicht weniger spannenden Roman veröffentlicht: Vicky Rai ist korrupt und skrupellos und - der Sohn des indischen Innenministers. Obwohl er nachgewiesener Weise eine Kellnerin erschossen hat, wird er freigesprochen, aber auf der Party, die seinen Freispruch feiert, erschossen. Sechs Personen kommen aus gutem Grund als Täter in Frage, vom Stammesangehörigen bis zum Innenminister. Der Journalist Arun Advani stellt sie vor - ihre Lebensgeschichte, ihren Kontakt zum Ermordeten, die Verwicklungen untereinander - all das auf dem Hintergrund der Prägung des heutigen Indien. - Ein temporeicher, sprachlich mitreißender Roman, der aberwitzige Ideen, harte Realitäten und kurios erdachte Verwicklungen vereint. Nachdrücklich jedem Bestand empfohlen! (Übers.: Bernhard Robben) ![]() 565397 Tingler, Philipp: Seit den Tagen von Doktor Faustus hat sich am Pakt eines geistreichen Mannes mit dem Teufel so einiges geändert. Dr. Oskar Canow ist ein erfolgreicher Schriftsteller, glücklich verheiratet mit der wunderschönen Lauren. Er besitzt ein erlesen eingerichtetes Haus mit Blick auf den Zürichsee und bewegt sich in den höchsten Kreisen der feinen Gesellschaft, in der man gerne einmal zum 50. Jubiläum des Bi-Color-Schuhs zum Berliner Kurfürstendamm jettet, um dort mit denselben Leuten zu plaudern, die man immer trifft. Doch es läuft nicht alles rund, das Paar plagen Geldsorgen, die ersten Falten müssen mit Botox bekämpft werden und Canows bahnbrechender Essay harrt noch immer der Vollendung. Da kommt ihm der Teufel gerade Recht, der ihm einen Pakt anbietet, dessen Bedingungen der Leibhaftige allerdings recht schwammig formuliert. Die vereinbarte Probezeit verläuft zunächst zufriedenstellend, doch dann passieren Dinge, die Oskar nicht will und Lauren wirft sich für ihn in die Bresche. Wird Oskars Seele noch zu retten sein? - Geistreiche Unterhaltung von umwerfender Komik, das bietet Tingler in seinem neuen Roman, in dem man in Oskar Canow das Alter Ego seiner selbst vermuten darf. Sein scharfsinniger Blick auf die Allüren der feinen Leute, seine geschliffenen, intelligenten Dialoge zwischen Canow, der ungemein selbstreflektierten Lauren und dem Teufel sowie die verblüffend moderne Variante des Faustschen Themas garantieren intellektuellen Lesern uneingeschränktes Lesevergnügen. Kleine Warnung vor den nackten Tatsachen des Titelblattes, die mit dem Inhalt des Buches nichts zu tun haben! ![]() 327027 Toltz, Steve: Humorvoll-satirischer Familienroman aus Australien. Jasper Dean hat es nicht leicht - bei der Verwandtschaft: Sein Vater, ein strenger Moralapostel, galt als Australiens meistgehasster Wohltäter. Doch wie kam er zu Tode, und wo ist seine Leiche? Sein Onkel Terry hingegen war der beliebteste Verbrecher des Landes - nur, wie kam es dazu? Auf jeden Fall muss diese Konstellation natürlich zu einem durchaus ungewöhnlichen Leben der Nachgeborenen führen. Und so ist auch Jaspers Vita ziemlich verrückt. - Der dickleibige, aber nie auch nur eine Spur langweilige Roman ist das Literaturdebüt von Steve Toltz, für das er mehrfach preisgekrönt und u.a. in die Shortlist des renommierten Booker-Preises aufgenommen wurde. Kein Wunder: Was der junge Autor hier in einer überbordenden Fabulierfreude und Fantasie präsentiert, ist nicht nur eine ebenso skurrile wie spannende, zum Teil ziemlich abgefahrene Familiensaga, in seiner an einen großen Schelmenroman erinnernden literarisch temporeichen Fahrt durch alle möglichen Milieus des modernen Australien präsentiert er auch ganz nebenbei ein hervorragendes Bild der australischen Gesellschaft. Dieser Roman hat wirklich alles, um die literarischen Wünsche jeden Lesers zu befriedigen. Gelungen auch die Übersetzung von Clara Drechsler und Harald Hellmann. ![]() 326773 Vorpsi, Ornela: Reise einer in Paris lebenden Albanerin in ihre kommunistische Vergangenheit. Die Ich-Erzählerin geht nicht gerne auf Reisen, ja fürchtet sich davor. Am liebsten würde sie "im Bett verreisen". Doch als ein alter Freund aus Sarajevo unter schweren Depressionen leidet, beschließt sie, ihn zu besuchen. Sie fühlt sich auf dem Balkan inzwischen als Ausländerin, betrachtet die Dinge von außen. Während sie in Sarajevo Freunde ihres Freundes Mirsad trifft und - erst nach der Hälfte der Erzählung - Mirsad selbst, erinnert sie sich an ihre Kindheit, den Geschmack der Speisen. Daneben erweist sie sich als scharfe Beobachterin und beschreibt die Neidgefühle, Betrügereien, Minderwertigkeitskomplexe, die die Menschen auf dem Balkan beherrschen, ihren Größenwahn und ihren Hass auf Ausgereiste. Vorpsis Beobachtungen und Bemerkungen über die Menschen des Balkans sind amüsant und unsentimental, ihre Sprache poetisch. Ein literarisches Kleinod, sehr empfohlen! (Übers.: Karin Krieger) ![]() 564603 Weber, Anne: Charmante Geschichte über die Frage, ob es wahre Liebe wirklich nur im Märchen gibt. Eine leidenschaftliche Schriftstellerin, Anfang 40 und Single, begegnet in Paris einem geheimnisvollen Mann und beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Für die Frau scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen, denn der Herr ist nicht nur gutaussehend und charmant, sondern besitzt als Graf auch noch ein Schlösschen in Südfrankreich. Die Beziehung verstärkt sich und schließlich möchte das glückliche Paar heiraten und Kinder bekommen. Schnell steht jedoch fest, dass ohne ärztliche Hilfe der Kinderwunsch nicht in Erfüllung gehen kann. Diese Krise belastet das junge Glück und im entscheidenden Moment verschwindet der Märchenprinz. Zu allem Überfluss muss die Schriftstellerin feststellen, dass ihre große Liebe bereits in guter Partie verheiratet ist und diese Ehe auf gar keinen Fall aufgeben wird. Tief gekränkt startet sie einen Rachefeldzug gegen den untreuen Grafen. - Mit großer Leichtigkeit und Ironie schreibt Anne Weber diesen Roman der durch seine vielen Ähnlichkeiten mit dem Leben der Autorin beinahe schon autobiografische Züge annimmt. Obgleich eine tragische Episode aus dem Leben der Hauptfigur beschrieben wird, muss man doch oft schmunzeln und vor allem der spannende und sehr raffinierte Rachefeldzug bringt nicht nur enttäuschte Liebende zum Lachen. Eine sehr charmante Geschichte über die Liebe und die Frage, ob sie tatsächlich nur Illusion ist. Sie können jedes der hier besprochenen Bücher wie gewohnt über ihren jeweiligen Büchereiverband bestellen. Am einfachsten ist es über das nachfolgende E-Mail-Bestellformular. Dazu klicken Sie bitte den für Sie zutreffenden Button an. 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